Die soulfire-DNA.

Reformation und Symbiose:

Vielleicht kennt ihr den lateinischen Ausspruch ecclesia semper reformanda. Etwas frei übersetzt heißt dieser Satz, dass die Kirche/Gemeinde sich ständig in einem Selbsterneuerungsprozess befinden muss.

Dieser Selbsterneuerungsprozess bedeutet konkret, dass Glaube und Praxis immer wieder anhand der Schrift überprüft werden müssen. Man hinterfragt die eigenen Überzeugungen und Glaubenspraktiken. Dabei geht es um Festigung, Selbstreinigung und Selbstkorrektur. Das ist nötig, weil die Gemeinde Gottes aus schwachen, fehler- und sündhaften Menschen besteht.

Es geht nicht darum, einfach ‚alles besser zu machen‘ oder ’sein eigenes Ding zu drehen‘. Nicht der eigene Geschmack oder das eigene Ego sind der Antrieb, sondern die eigenen biblischen Überzeugungen, begleitet von einer echten Liebe zu den Menschen und geprüft durch das Gewissen vor Gott. Diese Selbsterneuerung in der Gemeindestruktur durch Gemeindeneugründung ist das natürliche Nebenprodukt des persönlichen geistlichen Wachstums (ich lerne dazu, mein Gesamtbild ist vollständiger und ausgewogener, meine Liebe zu Gott und Menschen ist stärker und tiefer).

Ein wichtiger Faktor in solch einem Selbsterneuerungsprozess ist die Symbiose. „Unter einer Symbiose versteht man ganz allgemein das Zusammenwirken zweier Systeme zum beiderseitigen Vorteil.“ Praktisch gesehen bedeutet das (im Bezug auf Gemeindegründung), dass sich aus zwei oder mehreren Gemeindebewegungen etwas Frisches, Neues formt. Manches wird unverändert übernommen, manches wird verändert übernommen, manches wird gar nicht übernommen.

Die Vision für die Gemeindegründung in Köln ist eine Symbiose aus der DNA von Calvary Chapel (auch Distinctives genannt) und der Redeemer Gemeindegründungsbewegung. Dabei wird es zwischen dem, wofür diese beiden Bewegungen stehen, Übereinstimmungen aber auch Spannungsfelder geben. Aber letztendlich, so die dahinterstehende Überzeugung, wird das durch die Symbiose entstehende Ergebnis nicht nur anders, sondern stärker sein. Schwächen werden ausgeglichen, Stärken werden kombiniert.

Dieser Wunsch deckt sich mit der Vision, die wir als Christen im Bezug auf die Gemeinde haben sollten:

„Er hat ihr die Apostel gegeben, die Propheten, die Evangelisten, die Hirten und Lehrer. Sie haben die Aufgabe, diejenigen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, für ihren Dienst auszurüsten, damit ´die Gemeinde`, der Leib von Christus, aufgebaut wird. Das soll dazu führen, dass wir alle in unserem Glauben und in unserer Kenntnis von Gottes Sohn zur vollen Einheit gelangen und dass wir eine Reife erreichen, deren Maßstab Christus selbst ist in seiner ganzen Fülle. Denn wir sollen keine unmündigen Kinder mehr sein; wir dürfen uns nicht mehr durch jede beliebige Lehre vom Kurs abbringen lassen wie ein Schiff, das von Wind und Wellen hin und her geworfen wird, und dürfen nicht mehr auf die Täuschungsmanöver betrügerischer Menschen hereinfallen, die uns mit ihrem falschen Spiel in die Irre führen wollen. Stattdessen sollen wir in einem Geist der Liebe an der Wahrheit festhalten, damit wir im Glauben wachsen und in jeder Hinsicht mehr und mehr dem ähnlich werden, der das Haupt ist, Christus.“ (Epheser 4,11b-15; NGÜ)

Als reife Christen sollten wir uns wünschen, dass die Gemeinde immer größer, besser und stärker wird. Und das ist unsere Vision, wenn (eine Auswahl von) Calvary Distinctives und Redeemer Core Values verschmelzen.


1. Calvary Distinctives (was eine Calvary Chapel ausmachen soll)

Liebe ist das Wichtigste. Im Notfall ist sie wichtiger als Rechtgläubigkeit. Unsere Überzeugungen kann Gott in einem Augenblick ändern – die Veränderung unseres Herzens braucht eine ganze Lebenszeit.

Gnade beschreibt den Umgang miteinander und bestimmt so die Atmosphäre. Anstatt geistliche Polizei zu spielen, wollen wir lieber Notarzt sein und helfen. Wir geben anderen die Gnade, die wir uns (von Gott und von Anderen) für uns selbst wünschen.

Bibellehre ist eins der wichtigsten Merkmale einer Calvary Chapel. Die auslegenden Vers-für-Vers-Predigten (ergänzt von thematischen Predigten) halten wir für die beste Art, ausgewogene Theologie zu vermitteln, Christen geistlich zu ernähren, und sie so zu einer geistlichen Mündigkeit/Selbständigkeit zu führen.

Der Heilige Geist spielt eine wichtige Rolle. In ihm ist Gott gegenwärtig und wirkt all die Dinge in unserem Leben, unseren Diensten und unserer Gemeinschaft, die nur Gott tun kann. Dazu gehören veränderte Leben, geistliche Frucht, und Weisheit für Entscheidungen. Wir wollen unser bestmögliches geben, uns aber dann trotzdem zu 100% auf ihn verlassen.

Was den Stil angeht, sind wir locker und ungezwungen, und bemühen uns um eine freundschaftliche, ungezwungene aber auch unaufdringliche Wärme. Das gilt für uns persönlich und für unsere Gottesdienste/Treffen.


2. Redeemer Core Values (die DNS des Redeemer Netzwerks)

City Focused Church. Jesus (weint über Jerusalem) statt Jona (wünscht Ninive den Untergang). Verständnis der strategischen Wichtigkeit für die Ausbreitung des Evangeliums/des Reiches Gottes. Liebe für die Stadt, weil voller Menschen.

Gospel – Driven Church. „Das Evangelium ist nicht das ABC, sondern das A-Z des christlichen Lebens.“ In diesem Sinne sind wir als Christen mit allen Nichtchristen im selben Boot: wir brauchen Jesus, wir brauchen Gnade, sind hoffnungslos verloren ohne Gott. Wertschätzung, Respekt und Liebe für Nichtchristen; kein Pharisäertum. Christen sind nicht bessere Menschen als Nichtchristen!

Movement Minded Church. Nicht nur eine Gemeindegründung, sondern eine Gemeindegründungsbewegung. Neugründung von Gemeinden ist ’normal‘, gehört dazu, ist ‚eingebaut‘. D. h., jede neu gegründete Gemeinde hat von Anfang an das Ziel, weitere Gemeinden zu gründen.

Outward Faced Church. Gemeinden existieren nicht zum Selbstzweck. Paulus‘ Ermahnung an die Gemeinde in Philippi gilt auch uns: „Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war: ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen!“ (2,5.4) Nur das eigene Wohlergehen zu suchen ist ein Zeichen von Unreife und mangelnder Nähe zum Herz Jesu. Gemeinden sind genauso für Nichtchristen wie für Christen da.

Contextualized Church. Eine kontextualisierte Gemeinde arbeitet nach den selben Dienstprinzipien wie Paulus. Der sagte über sich selbst: „Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.“ (1. Korinther 9,22) Er passte sich entsprechend seinem Umfeld an. Dabei ging es ihm darum, alle möglichen Hindernisse für das Evangelium zu beseitigen, ohne dabei das Evangelium selbst zu verraten oder zu verlieren. Die kontextualisierte Gemeinde zeigt echtes Interesse an den Menschen, die erreicht werden sollen, und fragt sich: Welche menschlichen Hindernisse halten diese Menschen noch davon ab, das Evangelium hören zu wollen? (Man könnte die Inkarnation von Jesus auch als ‚kontextualisierten Gott‘ bezeichnen. Er hörte nicht auf, Gott zu sein – verlor nicht seine Identität –, kam aber zu uns, lebte unter uns, wurde einer von uns, und brachte uns das Heil.)

Diese Prinzpien (sowohl der Calvary Chapel Bewegung als auch der Redeemer Gemeindegründungsbewegung) werde ich in diesem Blog in dieser Reihenfolge einzeln weiter ausführen. Dann können sie per Commentfunktion kommentiert und diskutiert werden.

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