soulfire DNA – Teil 2: Großartige Gnade.

Teil 2 in der Themenreihe über die Grundlagen der geplanten Gemeindegründung in Köln. Dieses Mal geht es um Gnade als Prinzip für den Umgang miteinander in der Gemeinschaft. Gnade ist eine unverdiente Zuwendung. Wer gnädig mit anderen umgeht, fragt nicht danach, wer was eigentlich verdient hätte. Er hilft, weil Menschen Hilfe brauchen.

„Calvary Chapel nimmt zum Thema der Gnade Gottes eine besondere Position ein. Wir sind uns darüber klar, dass ohne die Gnade Gottes niemand von uns eine Chance hätte. Wir brauchen die Gnade Gottes für unser Leben. Wir brauchen sie täglich. (..) Wir haben der Gnade Gottes eine starke Stellung eingeräumt. Wir glauben, dass die Bibel lehrt, dass Gott gnädig ist. Das ist eine seiner wichtigsten Eigenschaften im Umgang mit Menschen. Wäre er nicht ein Gott der Gnade, hätte niemand von uns eine Chance! Wir alle brauchen die Gnade und Barmherzigkeit Gottes. (…) Es ist eine wichtige Aufgabe von Calvary Chapel, auf Gottes Gnade hinzuweisen und sie anderen zu erweisen.

Im achten Kapitel des Johannesevangeliums finden wir eine sehr interessante Geschichte. Jesus kommt in den Tempel und im zweiten Vers dieses Kapitels erfahren wir, dass er sich setzt um zu lehren. Plötzlich wird seine Predigt durch einen Aufruhr unterbrochen. Man hört hysterisches Schluchzen und Weinen.

„Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber bringen eine Frau, die beim Ehebruch ergriffen worden war, und stellen sie in die Mitte und sagen zu ihm: Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden.“ (Joh.8,3-4) Die Feinde Jesu wollten ständig beweisen, dass seine Lehre Moses widersprach. Die Menschen sahen Mose als das Werkzeug , durch das ihnen das Gesetz Gottes gegeben worden war. An Moses Autorität gab es keinen Zweifel. Er sprach für Gott. Wenn Jesus irgendetwas sagte, was dem Gesetz Moses widersprach, dann konnte er nicht in Anspruch nehmen, von Gott zu sein. (…)

Hier nun versuchten sie wieder das Gesetz Moses gegen Jesus ins Feld zu führen. „In dem Gesetz aber hat uns Moses geboten, solche zu steinigen; du nun, was sagst du? Dies aber sagten sie, ihn zu versuchen, auf dass sie etwas hätten, um ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde.“ (Joh.8,5-6). Das war sehr einleuchtend. Doch Jesus sagte kein Wort. Er bückte sich einfach nieder und schrieb mit seinem Finger auf den Boden, so als habe er sie gar nicht gehört. Was schrieb er wohl da auf den Boden? Ich habe keine Ahnung. Vielleicht schrieb er: „Wo ist der Mann?“ Sie hatten ja gesagt: „Wir haben sie auf frischer Tat erwischt.“ Sie konnten sie gar nicht auf frischer Tat ertappen ohne gleichzeitig auch den Mann zu erwischen. Nach dem Gesetz Moses mussten beide gesteinigt werden. Wären sie also wirklich daran interessiert gewesen, das Gesetz Moses zu bewahren, dann hätten sie den Kerl auch anschleppen müssen. Vielleicht war er ein Freund von ihnen und sie hatten ihn laufen lassen. Das war keine echte Gerechtigkeit. Die Feinde Jesu waren beleidigt. Er schrieb einfach auf die Erde als wären sie gar nicht anwesend. Deshalb ließen sie nicht locker und fragten immer wieder nach. Endlich stand er auf und sagte: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe zuerst den Stein auf sie.“ (Joh.8, 7). Wieder bückte er sich und schrieb auf die Erde. Ich glaube, ich weiß, was er diesmal schrieb. Es ist gut möglich, dass er die Namen der umstehenden Männer in den Staub schrieb, die gekommen waren, um die Frau zu verdammen, und wahrscheinlich begann er mit dem ältesten. Ich denke, er schrieb eine Menge Sünden auf, die dieser Mann begangen hatte. Vielleicht schrieb er von der Geliebten, die er gehabt hatte und begann einige Details ihres gemeinsamen Treibens aufzuschreiben. Schließlich sagte dieser Mann: „Oh, ich habe vergessen, dass ich meiner Frau versprochen hatte heute früher nach Hause zu kommen. Freunde, ich hab noch zu tun.“ Als er gegangen war schrieb Jesus den Namen des Zweitältesten auf und begann wieder einige Dinge niederzuschreiben, die dieser getan hatte, bis auch er wegging. So kam einer nach dem anderen an die Reihe, vom ältesten bis zum jüngsten, bis zuletzt keiner mehr übrig war.

„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe zuerst den Stein auf sie.“ (Johannes 8,7)

Nun stand Jesus auf, schaute die Frau an und fragte sie: „Frau, wo sind sie? Hat niemand dich verurteilt? Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!“ (Joh.8,10-11). Welch eine wunderbare Antwort gibt Jesus hier: „Auch ich verurteile dich nicht, geh und sündige ab heute nicht mehr.“

Wenn ein schlimmer Unfall passiert, bei dem sich Autos ineinander verkeilt haben und Verletzte mit Schnittwunden blutend auf der Straße liegen, dann gibt es zwei Arten von Einsatzwagen, die am Unfallort erscheinen. Normalerweise kommt zuerst die Polizei, deren Aufgabe es ist, eine Sicherheitszone um den Unfallort zu errichten und den Verkehr zu regeln. Dann holen sie ihre Notizbücher hervor und schauen sich die Positionen der Autos an. Sie messen die Bremsspuren aus und beginnen mit der Zeugenvernehmung. Ihre Aufgabe ist es herauszufinden, wer das Gesetz gebrochen hat. Wer hat Schuld an dieser Tragödie? Ihr Hauptanliegen ist, herauszufinden welches Gesetz gebrochen wurde und wer an dem Unfall die Schuld trägt. Mit dem zweiten Einsatzwagen kommen die Rettungssanitäter. Die Schuldfrage ist ihnen völlig egal. Sie sehen die Menschen, die blutend auf der Straße liegen. Ihre Aufgabe ist es, den Pulsschlag zu prüfen, Verbände anzulegen, nachzusehen, ob Knochen gebrochen sind, Verletzte auf die Trage zu legen und in den Krankenwagen zu heben. Sie denken nicht darüber nach, wer Schuld hat. Sie sind nicht da um die Schuldfrage zu klären. Sie sind gekommen um den Verletzten zu helfen. Ich habe beobachtet, dass es auch im Dienst für den Herrn diese unterschiedlichen Auffassungen gibt. Die einen verhalten sich wie die Polizisten. Sie fallen über die Unglücklichen her, zücken den Bußgeldkatalog und beginnen, ihnen das Gesetz vorzulesen. „Du hast das Recht zu schweigen, aber alles was du sagst kann gegen dich verwendet werden.“ Ihr Auftritt ist sehr gesetzlich und sie versuchen herauszufinden, wer Schuld hat, wer angeklagt werden muss, wie dem Gesetz Genüge getan werden kann.

Doch dann gibt es noch diejenigen, die wie die Sanitäter sind und denen es nicht so sehr darum geht, wer das Gesetz gebrochen hat, sondern wie sie heilen können. Wie können wir helfen? Wie können wir dem Verletzten, dem Verzweifelten dienen? Wie können wir die Dinge wieder zusammenfügen? Wie können wir Heilung fördern? In dem Bericht in Johannes 8 sehen wir die Pharisäer. Sie haben den Bußgeldkatalog gezückt. „Unser Gesetz befiehlt, sie zu steinigen. Was sagst du?“ Doch Jesus ging es darum, der Frau zu dienen, ihr zu helfen, ihr Leben wieder heil zu machen und nicht zu verdammen. „Ich verurteile dich auch nicht“. Er wollte sie gern wieder auf den richtigen Weg bringen. Wir bemühen uns, verletzten Menschen zu dienen. Unser Wunsch ist es, dass sie wieder aufgerichtet werden und zu Kräften kommen. (…)

Wir sollten immer nach einem Neuanfang zu streben, dabei aber nicht die Buße vergessen. Es ist wunderbar, wenn ein Leben, das geschunden und zerschlagen war, wieder Frucht bringt für das Reich Gottes. Aber Gnade hat auch ihr Risiko. Es könnte in einer bestimmten Situation falsch sein, jemandem Gnade und Vergebung entgegenzubringen. Möglicherweise war seine Buße nicht aufrichtig. Es könnte sein, dass er noch Hintergedanken hat. Ich habe Menschen Gnade entgegengebracht und dann zeigte sich, dass sie immer noch in Sünde lebten und später fügten sie mir Schaden zu. Ich bin nicht perfekt. Ich habe mich in mancher Beurteilung geirrt und Menschen Gnade erwiesen, die nicht wirklich Buße für ihre Sünde getan hatten. Ich ging das Risiko ein und nahm Leute als Mitarbeiter auf, die angeblich Buße getan hatten. Doch später stellte sich heraus, dass die gleichen Charakterzüge immer noch vorhanden waren. Ich habe mich geirrt und wahrscheinlich werde ich auch in Zukunft noch Fehler machen. Aber eins kann ich sagen: Wenn ich mich irre, dann will ich lieber fälschlicherweise Gnade erweisen als ein falsches Urteil fällen. (…)

„Wenn ich mich irre, dann will ich lieber einmal zu oft gnädig sein, als einmal zu oft zu verurteilen.“

Ich glaube, dass Gott weit nachsichtiger mit mir und meinen Fehlern ist, wenn ich anderen Gnade erweise, als wenn ich jemanden verdamme, dem er schon längst die Sünde vergeben hat. Es gibt einige Stellen in der Schrift, die uns vor dem Verurteilen warnen. „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ (Matth.7,1). Wir setzen den Maßstab für unser eigenes Gericht wenn wir andere verurteilen. „Wer bist du, der du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt dem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden, denn der Herr vermag ihn aufrecht zu halten.“ (Röm.14,4). Ich würde auf gar keinen Fall jemanden fälschlich verurteilen wollen, der wahrhaftig Buße getan hat. Ich fände es schrecklich, mich bei einer richtenden Beurteilung zu irren. Noch einmal: wenn ich mich schon irre, dann lieber zugunsten der Gnade, denn ich weiß, dass Gott mir dann gnädiger sein wird als wenn ich mich irre und jemanden fälschlich verurteile. Ich will in diesem Punkt nicht schuldig werden. Es ist leicht in Gesetzlichkeit zu fallen. Wir müssen uns vor dieser Versuchung in Acht nehmen.“

(Auszug aus „Die Merkmale einer Calvary Chapel“ von Chuck Smith)

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