Eine Vision für geistliches Leben – Teil 2: Organisch

Unsere Vision für geistliches Leben ist organisch. Sie orientiert sich an der Natur. In der Bibel sehen wir, wie der Mensch und wie das Reich Gottes mit Bildern aus der Natur beschrieben werden. Ein Mensch ist kein Auto, dass nur regelmäßig ‚auftanken‘ muss. Und echte Gemeinschaft (eine Kirche) ist keine Maschine, die bloß ihr Öl braucht, um rund zu laufen. Wir glauben, dass der einzelne Mensch und die Kirche vor Allem lebendige Organismen sind. Und dass das Leben etwas komplexes, gottgegebenes, heiliges und geheimnisvolles ist. Deswegen schätzen wir das Leben, und wollen es gerne in seiner Fülle entdecken.

In der jüdischen Schöpfungsgeschichte heißt es: „Da machte Gott den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Lebensatem in seine Nase. Und so wurde der Mensch eine lebendige Seele.“ Gott machte sich die Hände schmutzig, er formte den Menschen aus der Erde. Der Mensch ist von Gott, aber aus der Erde. Und es ist der Atem Gottes, der ihn zu einem lebendigen Wesen macht.

Gottes Schöpfung funktioniert in Zyklen, sie hat einen Rhythmus. Tag und Nacht, die Jahreszeiten, die sieben Tage einer Woche. Leben wird nicht produziert – es wird geschaffen und es wächst. Die Schöpfung lebt nach diesen Gesetzmäßigkeiten.

Uns ist wichtig, dass wir uns zuerst als Teil von Gottes Schöpfung verstehen. Dass wir begreifen, wie seine Welt funktioniert. „Wir vergessen nicht, dass wir Christen sind – wir vergessen, dass wir Menschen sind.“ (Unbekannt) Nicht nur, dass wir es vergessen, wir haben es nie wirklich gewusst. Und deswegen möchten wir gemeinschaftlich lernen, was es heißt, Mensch zu sein und was es heißt, Christ zu sein. Wir wollen gemeinsam leben lernen. Was passiert, wenn Menschen den göttlichen Rhythmus der Schöpfung ignorieren, sieht man momentan in unserer Gesellschaft: „Volkskrankheit Burn-Out“. Wir sind erschöpft und deprimiert – höchste Zeit, dass wir wieder zurückfinden.

Auch das Himmelreich folgt organischen Naturgesetzen. Das Reich Gottes ist seine anbrechende Herrschaft auf dieser Erde, die sich vor Allem in seiner Kirche zeigt. Jesus sagt:

»Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf sein Feld sät. Es ist zwar das kleinste aller Samenkörner. Aber was daraus wächst, ist größer als alle anderen Gartenpflanzen. Ein Baum wird daraus, auf dem die Vögel sich niederlassen und in dessen Zweigen sie nisten.«

Geistliches Leben in einer Gemeinschaft kommt von Gott. Wir können versuchen, alles so sorgfältig wie möglich zu organisieren. Aber Gott muss das Wachstum geben. Und dieses Wachstum braucht Raum, Pflege und Zeit. Um einen Vergleich vom Apostel Paulus zu gebrauchen: wir können pflanzen und gießen, aber Gott bewirkt, dass es wächst. Die Strukturen, die wir brauchen, sind wie ein Pflanzenstab, der dafür sorgt, dass das Wachstum in die richtige Bahn gelenkt wird.

Wir finden, dass man die Gemeinde mit einem Baum vergleichen kann. Ein gesunder Baum wird gleichzeitig in die Tiefe und in die Höhe bzw. Breite wachsen. Für uns bedeutet das Wachstum in die Tiefe zum Einen die gemeinsame Vertiefung des Glaubens. Zum Anderen heißt es für uns allerdings auch, tief in der Geschichte, die Gott mit seinem Volk schreibt, verwurzelt zu sein (siehe letzter Beitrag).

„Life is too deep for words, so don’t try to describe it, just live it.“ (C. S. Lewis)

Konkret: Weil wir das ganze Leben als Gottes Geschenk sehen, spielen Kunst, Musik und Kultur, Freundschaft und Respekt für uns eine wichtige Rolle. Das soll auch in unserer Gemeinschaft, in Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen sichtbar werden. Wir haben eine ganzheitliche Sicht vom Menschen und von einem Leben mit Gott. Ein richtig verstandenes und entsprechend angewendetes Evangelium wird das ganze Leben von innen heraus verändern. Gott will, dass dieser lebenslange Prozess in einer Gemeinschaft gelebt und von ihr begleitet wird. Soulfire soll ein Zuhause für Lernende und Suchende in der Kölner Innenstadt sein.

Wir glauben an das organische Prinzip, haben aber keine romantische Vorstellung davon, wie dieses in der Praxis zum Tragen kommt. Das heißt: Programme, Methoden, Strategien, Organisation und Planung, Absichtlichkeit und Institutionen sind alles notwendige Werkzeuge für geistliches Wachstum. Sie schaffen den Rahmen für Gottes Wirken, sind aber niemals die Ursache oder Quelle geistlichen Lebens. Mit unseren Bemühungen bauen wir sozusagen nur den Altar, aber Gott muss das Feuer vom Himmel senden.

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