Warum feiern Christen Advent? (Daniel Dangendorf)

Wer in der Adventszeit in der Kölner Innenstadt unterwegs ist, bemerkt das geschäftige Treiben und manchmal auch Getriebensein der Menschen, die auf der Suche nach Geschenken sind, aber auch viele feierlustige Weihnachtsmarktbesucher. Sie feiern gemeinsam mit ihren Arbeitskollegen die gute Zusammenarbeit des letzten Jahres oder verbringen mit ihren Freunden einfach nur einen gemütlichen Abend mit etwas Glühwein. Doch was bedeutet es eigentlich, wenn Christen den Advent feiern?

Advent kommt von lateinischen Wort adventus (Ankunft). Bei Katholiken wie auch Protestanten markiert der Advent den Beginn des Kirchenjahres. Der Feier des Weihnachtsfestes geht eine vierwöchige (in den orthodoxen Kirchen sechswöchige) Vorbereitungszeit voraus, die ursprünglich eine Zeit des Fastens und des Gebets war, eine Zeit der Besinnung auf die Ankunft des Königs, der Geburt von Jesus Christus. Der Prophet Jesaja sah die Geburt des Königs Jesus voraus und schrieb: „Das Volk, das in der Dunkelheit lebt, sieht ein helles Licht.“ (Jes 9,6). Und Jesus kam in diese Welt als „das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet“ (Joh 1,8).

1839 erfand der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern den Adventskranz, der bald auch in den anderen Konfessionen Fuß fasste (der erste „katholische“ Adventskranz wurde übrigens 1925 hier in Köln aufgehängt). In seiner Symbolik beschreibt der Adventskranz das ständige Zunehmen des Lichtes (jeden Sonntag wird eine Kerze mehr angezündet). Er erinnert daran, dass mit dem Kommen von Jesus in diese Welt ein für allemal die Dunkelheit dieser Welt erhellt wurde. Der Advent ist eine Zeit der Besinnung auf denjenigen, der unser Leben hell machen will: Jesus Christus. Und für uns Christen ist diese Zeit auch eine Zeit der gemeinsamen und persönlichen Neuausrichtung auf das, was wirklich zählt. Eine Zeit der Umkehr (Buße) und des Hörens auf Gott. Die Geschenke, mit denen wir uns an Heiligabend beschenken, die Lichterketten, mit denen wir unsere Fenster schmücken, sind alle nur ein schwacher Abglanz davon, dass Gott sich selbst uns Menschen schenken will. An uns ist es, dieses Geschenk auszupacken und uns nicht im Dunkeln zu verkriechen.

Denn darum ist er Mensch geworden und zu mir auf Erden gekommen, daß er mich armen, elenden Sünder durch sein Evangelium trösten und mir von Sünde und Tod in Ewigkeit helfen will. Alle nun, die solches von Herzen glauben, die fahren dahin aus diesen Jammertal in die ewige Freude und Seligkeit. Das verleihe uns unser lieber Herr Christus, Amen.“ (Martin Luther , Predigt zum 3. Advent)

Daniel Dangendorf

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