„Kunst ist Liturgie“ – Warum wir Künstler brauchen.

Gregor der Große und die Taube

Vor kurzem sah ich in einer Kölner U-Bahn-Station ein Werbeplakat für die Jahresausstellung des Museum Kolumba Köln unter dem Thema „Art is Liturgy“ (Kunst ist Liturgie). Dazu bemerkte der Hauptkünstler der Ausstellung Paul Thek (1933-1988):

„Kunst ist Liturgie; und wenn das Publikum auf den heiligen Charakter der Symbole reagiert, dann hoffe ich, dass ich mein Ziel erreicht habe, wenigstens in jenem Moment.“

 

Liturgie kommt vom griechischen Wort leitourgia. Damit bezeichnete man ursprünglich bürgerliche Dienste zum Gemeinwohl (karitative und soziale Arbeit, Fundraising). In der Septuaginta (der griechischen Übersetzung des Alten Testaments) wird damit der Dienst der Priester am Jerusalemer Tempel bezeichnet. Im Neuen Testament kann in diesem Sinne die gottesdienstliche Feier (Apostelgeschichte 13,2) Liturgie sein, in Römer 12,1-2 werden die Christen jedoch auch dazu aufgefordert, dass ihr ganzes Leben ein „Gottesdienst“ (leitourgia) sein soll. Erst in nachbiblischer Zeit verengt sich der Begriff auf die gottesdienstliche Feier, zum Teil wird auch nur die Eucharistie damit verbunden.1

Es ist spannend, diese Facetten des Begriffes im säkularen und sakralen Sinne einmal zusammenzudenken. Liturgie bedeutet dann ein Dienst an Gott und ein Dienst am Nächsten. Und genau das kann Kunst und Musik sein.

Köln ist mit seinen vielen Museen, der Musikhochschule, seiner Jazz-Szene, den Medien- und Rundfunkunternehmen u.v.m. eine Kunst-und Musikmetropole von überregionaler Bedeutung. Hier leben und arbeiten viele Menschen, die – ob sie es bewusst oder unbewusst tun – als Künstler „Liturgie feiern“. Sie geben Menschen die Möglichkeit der Erholung, der Besinnung, schaffen mit ihrer Kunst Momente der Ordnung im alltäglichen Chaos. Und damit dienten und dienen sie auch einem menschlichen Grundbedürfnis nach Frieden und Sicherheit. Keine drei Wochen nach Kriegsende, als alles noch in Trümmern lag, spielten in Berlin bereits wieder die Philharmoniker. Das mag verdeutlichen, wie elementar Kunst und Musik zum menschlichen Leben gehören und wie sehr sie dem Menschen zu dienen vermag.

Über viele Jahrhunderte hinweg verstanden viele Musiker und Künstler ihre Arbeit als Repräsentation der geschaffenen göttlichen Ordnung der Welt, als Anbetung Gottes. Die Schöpfung wurde gedacht als eine große Harmonie, die der Komponist zum Klingen brachte und damit erlebbar machte. Und damit dient die Musik und die Kunst zur Bewusstmachung der guten Absichten, die Gott mit seiner guten Schöpfung hat. Inmitten von Krach, Gewalt, Dissonanz und Unordnung, ruft uns die Kunst zum ordnungsliebenden und harmonieschaffenden Schöpfer der Welt zurück. Und so ist Kunst auch ein Dienst an Gott.

Kunst und Musik arbeitet mit Symbolen. Was wir Künstler und Musiker manchmal als „heiligen Moment“ bezeichnen, entsteht da, wo wir uns vertiefen können in die Welt der Komposition oder des Kunstwerkes, wo wir zu erahnen beginnen, dass hinter den Tönen und Farben eine unendlich größere Schönheit verborgen liegt: die Schönheit Gottes.

Soulfire Köln will ein Teil auch dieses kulturellen Lebens sein, Gott in der Welt feiern. Als Musiker ist es meine ganz persönliche Hoffnung für die Stadt Köln, dass ich, dass wir Musiker, unseren Beruf nicht als Selbstverwirklichung, sondern als Dienst am Nächsten und als Dienst an Gott verstehen – kurz: als Liturgie.

Daniel Dangendorf

1 Vgl. Gerhards/Kranemann, Einführung in die Liturgiewissenschaft. WBG: Darmstadt, 2006. 16f.

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