Die Welt mit neuen Augen sehen. (Ricky Ponce)

Ich erinnere mich noch daran, wie ich als kleiner Junge mein erstes 3D-Comic geschenkt bekam. Es war ganz gewöhnlich mit schwarzer Farbe gezeichnet, hatte aber an den Außenlinien rote oder blaue Schattierungen, die das Ganze unscharf wirken ließen. Allerdings war der Comic ja auch nicht dafür entworfen worden, um ihn mit dem bloßen Auge anzuschauen. Man brauchte die Spezialbrille, die zwei verschiedene Gläser hatte – ein rotes und ein blaues Glas. Sobald man die aufgesetzt hatte, wurde nicht nur alles deutlich, sondern man hatte durch die zusätzliche Dimension tatsächlich eine ganz neue Comic-Erfahrung.

 

 

Missional zu sein lässt sich gut mit diesem Erlebnis vergleichen, weil es auch darum geht, die Welt um uns herum mit völlig neuen Augen zu sehen. In der Bibel heißt es, dass – genau wie der Vater Jesus Christus in die Welt sandte – Jesus seine Nachfolger mit der Mission losgeschickt hat, ihn in der Welt zu bezeugen (Johannesevangelium 17,18). Das bedeutet für Nachfolger von Jesus, dass es uns als Einzelnen und als Gemeinschaft darum gehen sollte, die gute Nachricht weiterzugeben. Beim Evangelium geht es darum, was Christus getan hat, und das muss nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten bezeugt werden. Wenn die christliche Botschaft immer mehr unser Leben durchdringt, wird sie nach und nach alles verändern. Einer der größten Faktoren dabei ist, dass wir anfangen, uns mehr auf Andere zu konzentrieren als auf uns selbst. Je mehr uns bewusst wird, was Jesus für uns getan hat, desto mehr wollen wir auch anderen helfen. Wir beginnen, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Wie bei dem 3D-Comic mit der Spezialbrille (ein Glas rot, eins blau), sehen wir die Welt jetzt durch die ‚Evangeliumsbrille‘ (ein Glas Wahrheit, eins Liebe). Diese neue Sichtweise schafft auch eine neue Lebensweise.

Der Blick durch diese neue Brille zeigt uns zuerst die Realität was den Zustand der Menschheit angeht. Wir sind von Natur aus sündhafte Menschen, die einen Retter brauchen. Wir sehen die Auswirkungen der Sünde in unseren Leben: Schmerzen, Sorgen, Verwirrung. Aus Liebe und Empathie wollen wir unseren Mitmenschen helfen, weil wir ja selber genau wissen, wie es ist. Und selbst ein Christ, der auf ein Leben zurückschaut, in dem Jesus schon viel getan hat, muss zugeben, dass er immer noch unfertig, und das Projekt noch nicht abgeschlossen ist.

Aber als Christ weiß ich auch, wie ich reagieren muss, wenn ich mit Sünde zu kämpfen habe, oder in einer schwierigen Phase stecke. Ich kann mit meiner Situation zu dem Einzigen kommen, der mir helfen kann, der von sich selbst gesagt hat: „Kommt alle her zu mir, die ihr müde seid und schwere Lasten tragt, ich will euch Ruhe schenken.“ (Matthäusevangelium 11,28).

Tatsache ist: ob wir Christen sind oder nicht – wir alle brauchen das Evangelium. Wenn die Wahrheit davon, wie sehr wir Jesus brauchen, uns packt, geschieht folgendes: Wir werden mit Liebe erfüllt und wollen diese weitergeben, und uns wird klar, wie viel von dem, was wir so alltäglich tun, dazu gebraucht werden kann, um Christus zu bezeugen. Möglichkeiten, dass Evangelium weiterzugeben und seinen Charakter widerzuspiegeln tun sich auf.

Wenn man das Wort ‚Missionar‘ hört, denkt man häufig zuerst an Menschen, die an die Enden der Erde reisen, um dort den unerreichten Stämmen im Dschungel das Evangelium zu erzählen. Sehen wir aber die Welt mit neuen Augen, wird uns klar, dass überall ‚Missionsfeld‘ ist. Jeder von uns ist von unerreichten Menschen umgeben, die das Evangelium genauso brauchen wie die Leute im Dschungel – und wie du und ich. Unser alltägliches Umfeld ist ein Dschungel von Möglichkeiten, um die Liebe von Christus und die Botschaft darüber, was er für uns getan hat, weiterzugeben.

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