Die Geschichte der Anderen. (Ricky Ponce)

In meinem letzten Beitrag ging es darum, wie wichtig es ist, seinen Auftrag zu kennen und zu leben, und wie das Evangelium in Wort und Tat nicht nur an die Enden der Erde, sondern auch auch auf die andere Straßenseite, in unsere Veedel und Städte, gebracht werden sollte. Denn ganz egal wer wir sind oder wo wir leben, um uns herum sind Menschen, welche die christliche Botschaft noch nicht erreicht hat.

Ich weiß, dass sich das für manche komisch anhört. Schließlich kommen die meisten von uns aus der westlichen Welt, wo es in jedem Dorf eine und jeder Stadt viele Kirchen gibt. Natürlich haben die Menschen um uns herum von Jesus gehört. Sie kennen den Namen, und in Einzelfällen sogar einen Bibelvers oder die Grundidee des Evangeliums. Aber für sie sind diese Dinge nur beliebige Informationsfetzen, über die sie auf die eine oder andere Art gestolpert sind. Ihnen ist die Wahrheit dieser Informationen niemals bewusst geworden, die Botschaft konnte keine Wurzeln schlagen. Warum? Weil sie ihnen irrelevant erschien, und sich deswegen nicht damit aufgehalten oder auseinandergesetzt wurde. Ein Hauptgrund dafür ist, dass ihnen die Wahrheit des Evangeliums nie auf eine relevante Art, die innerhalb ihrer Lebenswirklichkeit Sinn ergeben würde, kommuniziert worden ist.

Dieser Prozess – das Übersetzen der christlichen Botschaft auf eine Weise, die sich mit dem Zuhörer identifiziert – wird als Kontextualisierung bezeichnet. Damit das geschehen kann, müssen wir uns in die Welt der Menschen hineinbegeben, denen wir das Evangelium verständlich machen wollen. Wir müssen verstehen was sie mögen und was sie hassen, welche Sünde ihre Leben beeinflusst, auf welche Musik sie stehen, welchen Sport sie treiben…eigentlich alles, was sie als Individuen oder als Gruppe auszeichnet und besonders macht.

Mir gefällt folgendes Zitat:

“Wir müssen uns in die Geschichte der uns umgebenden Kultur hineinbegeben. Dazu muss man wirklich zuhören können. Wir brauchen die Verbindung zu Literatur, Musik, Theater, Kunst und anderen Bereichen, durch welche die Hoffnungen, Träume und Ängste einer Kultur zum Ausdruck kommen. Dadurch bauen wir Brücken, und können auch zeigen, wie das Evangelium in die Geschichten hineinkommen, und sie verändern kann.” (Chuck Colson)

Je besser wir die Menschen kennen, die wir gerne erreichen würden, desto leichter wird es uns fallen, ihnen das Evangelium so zu sagen, dass es ein Echo in ihren Herzen und Köpfen findet – weil wir es in Verbindung mit den Themen bringen konnten, die ihnen wichtig sind. Dieser Grundsatz greift überall – egal, ob man es mit Eingeborenenstämmen in Asien oder mit verschiedenen Subkulturen einer Großstadt zu tun hat. Wenn wir uns die Zeit nehmen, uns in ihre Geschichte hineinzubegeben, wird sich das auf unsere Interaktion mit ihnen auswirken. Dadurch mehren sich mit der Zeit auch die Möglichkeiten, das Evangelium so zu erklären, dass es etwas bewirkt. Logischerweise bedeutet das nicht, dass jeder toll findet, was wir zu sagen haben. Aber es wurde auf verständliche Weise kommuniziert. Für alles darüber hinaus können wir nur beten.

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