Gott, Kultur und Kunst in Köln. (Daniel Dangendorf)

Wir Kölner sind weltoffen, tolerant und kreativ. In unserer Stadt prallen verschiedenste Kulturen, Subkulturen und Künste aufeinander: so trifft sich zum Beispiel Urban Art (das CityLeaks-Festival) und Neue Musik (das Acht-Brücken-Festival), um einmal nur zwei der unzähligen Festivals herauszugreifen. Nicht zu vergessen all die Medienschaffenden, die das Bild unserer Stadt und darüber hinaus auch unseres Landes prägen und verändern. Ihr Engagement lässt unsere Stadt ein wenig schöner werden und lenkt ab von den tristen Betonwüsten und Bausünden mancher Stadtteile. Vielleicht ist es gerade unsere Kunst, Kultur und Musik und die damit verbundene Lebensfreude und Weltoffenheit, die unsere Stadt Köln schön und attraktiv macht (neben dem Dom natürlich, aber auch der gehört ja zum kulturellen Erbe unserer Stadt).

Kunst und Kultur helfen uns dabei, Perspektive zu gewinnen oder den Blickwinkel zu wechseln, in ihnen spiegelt sich das Denken unserer Zeit. Als Christen ist uns diese künstlerische Perspektive auf die Welt umso mehr bedeutsam, weil wir glauben, dass alle Schönheit in Vollendung letztlich in Gott selbst zu finden ist. Wenn auch das Schöne dieser Welt Gott nicht beweisen kann, so kann es ein Hinweis sein auf die unbegreifliche Schönheit Gottes.

Dass wir als Menschen Kultur treiben, Kunst schaffen und musizieren, unterscheidet uns grundlegend von den Tieren. Im christlichen Verständnis ist das eine Gabe und zugleich ein Auftrag, die dem Menschen von Anfang an mitgegeben ist. Gott, der Schöpfer, erschafft den Menschen nach seinem Bild, also sich selbst ähnlich, und stattet ihn mit der Fähigkeit aus, schöpferisch tätig zu werden, diese Welt zu gestalten, sie nicht nur zu nutzen und zu gebrauchen. Wir sind privilegiert und dürfen in besonderer Weise teilhaben an Gottes schöner Welt, deren Schönheit wir Menschen mit unserer Kunst reflektieren. Darum wollen wir auch als Christen Kultur mitgestalten, aber auch hören und achten auf das, was säkulare Künstler uns zu erzählen haben.

Daher erinnert uns alle Kultur daran, dass es im Leben um mehr als unseren Alltag geht, das unsere Welt ein Ziel hat. Am Ende der Geschichte steht die vollendete Schönheit der neuen Schöpfung, in der alles Hässliche, alle Sünde, alle Gewalt, alles Leid ein Ende finden wird. Dann werden wir uneingeschränkt Gottes Schönheit genießen können. Augustinus sagte einmal sinngemäß: „Gott ist nicht recht zu gebrauchen, sondern er ist zu genießen“ (deo nullus recte utitur, sed fruitur). Der christliche Glaube an den dreieinigen Gott ist keine nützliche Alltagskrücke, sondern eine genussvolle Gemeinschaft mit Gott, die vom betrachtenden Staunen seiner Herrlichkeit und Schönheit lebt. Und zu diesem Staunen gehört auch das Genießen seiner Schöpfung. Daher dürfen wir uns freuen über all die Künstler und Musiker, die unsere Stadt mit zu einem lebenswerten Ort machen.

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