Das Evangelium (Daniel Dangendorf)

Was ist das Evangelium? Gibt es nicht in der Bibel vier Evangelien und wie können wir dann von dem einen Evangelium überhaupt reden? Weil es im Evangelium von Jesus Christus um eine Person geht, Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, gibt es schon in der Schrift unterschiedliche Zugänge zu Ihm. Diese alle ergänzen sich und kommen nicht ohne einander aus. Es ist eine Lebens- oder besser Ewigkeitsaufgabe, Ihn und sein Evangelium immer tiefer kennenzulernen und zu verstehen.

Das Evangelium, zu Deutsch „gute Nachricht“, erzählt die Nachricht von Gottes Heilshandeln. In Jesus Christus ist Gott Mensch geworden, hat sich am Kreuz mit den schlimmsten Verbrechern identifiziert, obwohl er unschuldig war. Er zeigt am Kreuz sein Erbarmen und Mitleid für uns Menschen und durch seine tatsächliche Auferstehung wird auch der Tod besiegt. Stellvertretend nimmt er die Schuld der Menschheit auf sich, sodass wir wieder durch Ihn freien Zugang zu Gott haben. Durch Ihn haben wir Vergebung unserer Schuld. Vergebung geschieht also nicht auf der Basis unserer guten Taten und Werke, sondern einzig und allein aus Gottes freier Gnade. Evangelium heißt also zuerst, dass ich meine eigene Unfähigkeit eingestehe und mich dann von Gott beschenken lasse. Kirche ist daher keine Gemeinschaft von Leuten, die sich um Heiligkeit mühen, sondern zuallererst Gemeinde begnadigter Sünder, die alle in Christus heiliggesprochen sind und ihm aufgrund seiner Gnade nachfolgen. Martin Luther spricht von simul iustus et peccator (zugleich gerecht und Sünder): wir bleiben als Menschen fehlbar, werden aber in Jesus Christus vor Gott gerecht gesprochen, weil Er unsere Schuld auf sich genommen hat.

Das Evangelium verändert unser Leben. Ich kann meine Selbstzentriertheit loslassen und werde frei für die Gemeinschaft mit Gott und den Mitmenschen. Ich mache meinen Selbstwert nicht an dem fest, was ich kann, sondern an dem, was Gott in meinem Leben tut. Ich stelle mich auf eine Stufe mit den Verachteten und Verbrechern und halte mich nicht selbst für gerecht. Wenn ich Ungerechtigkeit und Sünde anprangere, tue ich das zugleich in dem Wissen, dass ich kein besserer Mensch bin. Ich vergebe, weil mir selbst vergeben wurde. Ich liebe, weil ich zuerst geliebt worden bin.

Wenn das Evangelium mein Leben nicht verändert, ist es eine billige Gnade: ich lebe so weiter wie bisher und nehme dankend Gottes Vergebung an. Doch die Gnade Gottes ist eine teure Gnade: Jesus Christus stirbt für mich am Kreuz und seine Gnade ruft in die Nachfolge aus Dankbarkeit heraus. Dietrich Bonhoeffer schrieb in seinem Buch „Nachfolge“ sehr treffend:

 „Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus. Teure Gnade ist der verborgene Schatz im Acker, um dessentwillen der Mensch hingeht und mit Freuden alles verkauft, was er hatte; die köstliche Perle, für deren Preis der Kaufmann alle seine Güter hingibt; die Königsherrschaft Christi, um derentwillen sich der Mensch das Auge ausreißt, das ihn ärgert, der Ruf Jesu Christi, auf den hin der Jünger seine Netze verlässt und nachfolgt. Teure Gnade ist das Evangelium, das immer wieder gesucht, die Gabe, um die gebeten, die Tür, an die angeklopft werden muss. Teuer ist sie, weil sie in die Nachfolge ruft, Gnade ist sie, weil sie in die Nachfolge Jesu Christi ruft; (…) Teuer ist die Gnade vor allem darum, weil sie Gott teuer gewesen ist, weil sie Gott das Leben seines Sohnes gekostet hat – ,ihr seid teuer erkauft‘ [1Kor 6,20] -, und weil uns nicht billig sein kann, was Gott teuer ist. Gnade ist sie vor allem darum, weil Gott sein Sohn nicht zu teuer war für unser Leben, sondern ihn für uns hingab. Teure Gnade ist Menschwerdung Gottes.“

Für uns als Gemeinde soll dieses Evangelium von Jesus Christus immer im Mittelpunkt stehen. Das Evangelium spricht uns die Gnade und Liebe Gottes zu und hat gleichzeitig einen Anspruch auf unser Leben. Da, wo die Botschaft der Gnade tatsächlich unser Leben verändert, werden wir die Kraft des Evangeliums erfahren.

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