Einheit (Johannes Belger)

Einheit unter Christen ist das Anliegen der ökumenischen Bewegung, das unter Christen verständlicherweise für Kontroversen sorgt. Zum einen die Frage: Warum haben wir so viele verschiedene Kirchen, wenn wir doch alle uns Christen nennen? Zum anderen der Einwand: Bedeutet Einheit nicht, dass wir eigene Glaubensüberzeugungen aufgeben bzw. falsche Kompromisse eingehen?

Wir finden zunächst eine innige, sichtbare Einheit der ersten Christen vor (Apg 2 und 4). Sie waren „ein Herz und eine Seele“. Später bröckelt an verschiedenen Stellen diese Einheit (Apg 15, 1Kor 1, Gal 1). Der Apostel Paulus ermahnt: Habt euch lieb! Bewahrt die Einheit durch den Heiligen Geist! Wir gehören zusammen! (Eph 4,1-6). Und selbst Jesus hatte kurz vor seiner Festnahme für seine damaligen und zukünftigen Anhänger gebetet:

„18 Wie du mich in die Welt gesandt hast, so sende ich sie in die Welt. 19 Und ich gebe mich ganz für sie hin, damit auch sie durch die Wahrheit ganz dir gehören. 20 Ich bete nicht nur für diese Jünger, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben werden. Ich bete für sie alle, 21 dass sie eins sind, so wie du und ich eins sind, Vater – damit sie in uns eins sind, so wie du in mir bist und ich in dir bin und die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ (Joh 17,18-21)

Die Einheit der Kirche besteht in unserer Mission, d.h. unserer Sendung, unserem Auftrag: Die Verkündigung des Evangeliums. Das hat Jesus uns befohlen und das verbindet. Uns muss natürlich klar sein, worin das Evangelium besteht. Die gute Nachricht, von der wir überzeugt sind, um sie verkündigen zu können. Paulus nennt im Brief an die Epheser als Schlagworte der Einheit: Ein Leib, ein Geist, eine Hoffnung euer Berufung, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater. Zugegeben, wir erscheinen nicht wirklich als ein Leib mit unseren vielen verschiedenen Konfessionen. Wir sind inhaltlich auch teilweise weit weg voneinander entfernt, auch bei der Taufe. Uns bleibt der Glaube an unsern Herrn: Jesus Christus. Und unsere Hoffnung und Berufung: Ewiges Leben in der Gegenwart Gottes, unseres Vaters. Einheit ist geprägt von einem liebevollen Umgang miteinander und dem selben Geist, dem Geist der Wahrheit (Joh 16,13). Auch wenn uns Strukturen und einige Überzeugungen trennen. Der gemeinsame Auftrag gilt. Auch wenn wir uns dabei abgrenzen müssen von Überzeugungen, die mit dem Evangelium nicht vereinbar sind.

Die Einheit muss bewahrt werden– auch über Konfessionsgrenzen hinaus. Das klingt etwas idealistisch oder vielleicht sogar illusorisch. Aber nicht mehr, wenn wir Jesus und sein Gebet für uns beim Wort nehmen. Wenn wir darauf vertrauen, dass er verbindet, was zusammengehört. Wenn wir Gott darum bitten, uns und andere durch seinen Heiligen Geist zu verändern, wo es nötig ist. Dann kann die unsichtbare Einheit bereits heute ein Stück weit sichtbar werden und als Zeichen für Gottes Gegenwart in dieser Welt leuchten.

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