Wie kann eine Gemeinde Barmherzigkeit lernen? (Arloa Sutter)

In Deutschland lebten laut einer Statistik vom letzten Jahr 15,4 % aller unter 15jährigen in einem Hartz IV Haushalt. Zweitausendzwölf war fast jeder fünfte Bundesbürger von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. „Während die Nöte von Kindern in Ländern wie Indien oder Äthiopien schon seit langer Zeit in Missionsprogrammen von Freikirchen berücksichtigt worden sind, scheint die Frage , was man vor der eigenen Haustür tun kann, um von Armut betroffenen Menschen zu helfen, viele von uns zu überfordern.“ schreibt Arloa Sutter. Sie ist die Gründerin und Leiterin von ‚Breakthrough Urban Ministries‘ in Chicago. Im Jahr 1992 öffnete sie die Türen eines bis dahin ungenutzten Ladenlokals einer Gemeinde und versorgte dort Obdachlose mit heißem Kaffee und Mittagessen. Sie fing an, mit den bedürftigen Menschen Beziehungen aufzubauen. Später konzentrierte sie sich darauf, Unterkünfte, warme Mahlzeiten, Seelsorge und Notdienste für obdachlose Männer bereitzustellen. Heute ist daraus eine große Organisation geworden, die im Moment 580 Jugendliche durch Mentoring begleitet und pro Jahr über 70.000 Mahlzeiten an Bedürftige verteilt.

Mit ihrer Erlaubnis veröffentlichen wir einen Gastbeitrag, der am 30. Januar auf dem Blog von Ed Stetzer erschienen ist. Sie beschreibt dort drei praktische Punkte für Gemeinden, die lernen möchten, den Armen zu dienen. Hier kommt ihr Beitrag:

  1. Entwickelt eine theologische Grundlage für das Thema ‚Armut‘.

Falls es sich bei deiner Gemeinde um eine sozioökonomisch gesehen relativ homogene Gruppe handelt, die von den Auswirkungen der Armut isoliert lebt, habt ihr wahrscheinlich einen theologischen Bezugsrahmen entwickelt, der die unzähligen Bibelstellen die sich mit dem Thema Armut befassen, ignoriert hat. (…) Im Leben und der Lehre von Jesus Christus war der Dienst an den Armen absolut zentral. Wer ihm nachfolgt, wird ihm unvermeidlich auch darin folgen, in Liebe das eigene Leben für diejenigen niederzulegen, die notleidend sind (siehe 1. Johannesbrief 3,16-17).

  1. Organisiert die Unterstützung der örtlichen Dienste und Organisationen, die sich auf Randgruppenarbeit spezialisiert haben, durch Gruppen aus deiner Gemeinde.

In Lukas 4,18-19, Jesaja 58,6-12 und Matthäus 25,31-46 findest du ganze Listen mit Dienstmöglichkeiten: Dienste für die Hungrigen, Besuchsdienste im Gefängnis, Dienste, die für Wohnungen, Unterkünfte und Kleidung für „heimatlose Menschen“ (Jesaja 58,7) sorgen, usw. Findet heraus, wer in eurer Stadt bereits diesen Dienst tut, und macht mit. Als der barmherzige Samariter zu dem überfallenen Mann auf der anderen Straßenseite ging, war er „vom Mitleid bewegt“. Nichts wird die Menschen in deiner Gemeinde so sehr zur Barmherzigkeit bewegen wie wenn ihr den Zerbrochenen zur Seite steht, und durch authentische Beziehungen ihr Leid miterlebt.

  1. Ernennt den Dienst an den Armen zur geistlichen Übung.

Freikirchen haben sich erfolgreich darauf spezialisiert, über Fasten, Gebet, Bibelstudium und Gottesdienstbesuch als geistliche Übungen zu predigen. Mein Vorschlag wäre es, die gewohnheitsmäßige Fürsorge für die Armen als eine weitere wichtige Übung hinzu zu nehmen. Macht es zu einem regelmäßigen Teil des christlichen Lebens. Ich habe miterlebt, wie der Glaube von Namenschristen wirklich lebendig wurde, als sie sich mit den Männern und Frauen in unseren Unterkünften bei Breakthrough beschäftigten. Die Armen können uns soviel beibringen: wir erkennen durch sie unsere eigene Armut, und werden durch den Glauben derjenigen, die Gott um ihr täglich Brot bitten und das auch genauso meinen, inspiriert.

Der Dienst an den Armen ist keine Last – er ist eine Tür zu einem dynamischen christlichen Glauben und einem stabilen Gemeindeleben. Das Bild, dass uns in Jesaja 58 gemalt wird, ist wunderschön:

Öffne dem Hungrigen dein Herz

und hilf dem, der in Not ist.

Dann wird dein Licht in der Dunkelheit aufleuchten

und das, was dein Leben dunkel macht, wird hell wie der Mittag sein.

Dann wird dich der Herr beständig leiten

und dir selbst in Dürrezeiten innere Zufriedenheit bewahren.

Er wird deinen Körper erfrischen,

sodass du einem soeben bewässerten Garten gleichst

und bist wie eine nie versiegende Quelle.

 

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