Bewusster Verzicht

Christen fasten, um sich zu besinnen, zu fokussieren. Es geht um Umkehr, Achtsamkeit, Reflektion, um Offenheit für Gott und für mein Umfeld. Fasten ist eigentlich eine unterstützende Übung für das Gebet, wie Stille und Einsamkeit. Durch den Verzicht werden Zeitfenster geschaffen und das Bewusstsein geschärft.

Worum geht’s genau?

Während Muslime von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang auf alle Nahrungsmittel, Getränke, Genussmittel und Sex verzichten, fasten Christen traditionell durch Verzicht auf einzelne Lebensmittel. Uns geht es einfach darum, für einen bestimmten Zeitraum freiwillig weniger Extravaganz, Luxus und Überfluss zu haben.

Im Mittelalter wurde gefastet, indem man sich vegan ernährte und auf Alkohol verzichtete. Für uns als evangelische Christen ist es wichtig, dass man Fasten von bestimmten Dingen nicht verordnen kann, weil Verzicht eine individuelle Sache ist. Überlege dir, worauf du eigentlich nicht verzichten willst – dann hast du vielleicht etwas, auf das du verzichten solltest. Wichtig ist, dass man etwas weglässt, dass man es auch bemerkt. Das können Süßigkeiten oder Fleisch, Alkohol, Fernsehen, Videospiele, Internet, Social Media oder das Auto sein.

Es geht aber nicht nur um das Weglassen. Wenn man durch Fasten Raum in seinem Leben schafft, ist es wichtig, dass man diesen Raum dann auch füllt: durch verstärktes Gott Suchen und gute Taten. Richte dir extra Gebetszeiten ein, lass möglichst keine Gottesdienste ausfallen. Such dir entsprechende Literatur zum Lesen und Hören in dieser Zeit. Achte verstärkt auf die Nöte deiner Mitmenschen. Suche nach Möglichkeiten, um Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft zu zeigen. Du könntest dir zum Beispiel vornehmen, jedem Obdachlosen, Junkie und Bettler etwas Essen, Geld, Aufmerksamkeit und Zeit zu geben. Im Alten Testament rügt Gott sein Volk durch den Propheten Jesaja:

„Sie fragen: `Wozu fasten wir, wenn du es nicht siehst? Weshalb quälen wir uns, wenn du uns keine Beachtung schenkst?´ Begreift doch: Während ihr fastet, geht ihr euren Geschäften nach und übt Druck auf alle eure Arbeiter aus. Während ihr fastet, zankt und streitet ihr und schlagt mit gottloser Faust zu. Ihr fastet zurzeit nicht so, dass ihr eurer Stimme damit im Himmel Gehör verschaffen könntet. Soll das ein Fasten sein, wie ich es liebe? Und soll das bei mir als der Tag gelten, an dem sich ein Mensch selbst erniedrigt? Ihr senkt den Kopf wie ein Grashalm. Dazu kleidet ihr euch in Sack und Asche. Nennt ihr das Fasten? Glaubt ihr, dass so ein Tag dem Herrn angenehm sein könnte? Fasten, wie ich es liebe, sieht doch vielmehr so aus: Lasst die zu Unrecht Gefangenen frei und gebt die los, die ihr unterjocht habt. Lasst die Unterdrückten frei. Zerbrecht jedes Joch. Ich möchte, dass ihr euer Essen mit den Hungrigen teilt und heimatlose Menschen gastfreundlich aufnehmt. Wenn ihr einen Nackten seht, dann kleidet ihn ein. Verleugnet euer eigenes Fleisch und Blut nicht.“ (58,3-7)

Zeiträume.

Die Fastenzeit geht traditionell von Aschermittwoch bis Ostersamstag. Feste Die 40 Tage sind eine Erinnerung an die Fastenzeit von Jesus Christus in der Wüste. Zeiten für geistliche Übungen zu haben hat zwei Vorteile: zum Einen erhöht es die Wahrscheinlichkeit, dass man sich tatsächlich Zeit dafür nimmt. Es ist fest auf dem Kalender eingeplant. Zum Anderen vereint es mit anderen Gläubigen auf der ganzen Welt. Es ist also auch eine Übung in der geistlichen Einheit.

Traditionell ist in der katholischen Kirche Sonntags fastenfrei. In den orthodoxen Kirchen ist von Montags bis Freitags strenges Fasten, am Wochenende ist leichtes Fasten, also nach weniger strengen Vorgaben. Der strengste Fastentag ist in der evangelischen Kirche am Karfreitag. Da wird bis 15 Uhr komplett gefastet wird. Wem die Traditionen zu streng oder zu lasch sind, der kann das für sich so gestalten, wie er möchte.

Nicht vergessen:

Es ist eine freiwillige Übung. Wegen Jesus sind wir von Gott geliebt und angenommen, wir brauchen uns keine Punkte im Himmel zu sammeln. Deswegen kein schlechtes Gewissen, wenn du es nicht so konsequent schaffst, wie du es dir vorgenommen hast! Das Fasten soll dir helfen, geistlich und persönlich weiterzukommen.

 

One Comment On “Bewusster Verzicht”

  1. Johannes-Martin Busch

    Daanke für diesen wertvollen Impuls!!

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