Fasten: der Verlockung widerstehen (Erfahrungsbericht von Annika)

Die Fastenzeit kam wieder schneller als erwartet. Genau zu Beginn meines Nachtdienstturnus im Krankenhaus, auf den meine Klausurwoche folgte. Dieses Jahr verzichte ich auf Naschkram – süß und salzig. Sowie Facebook. Den Verzicht auf Facebook merke ich nach ein paar Tagen schon nicht mehr. Bei Schokolade und Co sieht das ganz anders aus. Gerade im Nachdienst steigt der Appetit in ungeahnte Höhen und wenn es nach meinem Magen ginge, bräuchte ich mit dem Essen gar nicht aufhören. Beim Nachtdienst-Schoko-Ritual muss ich leider ablehnen: „Nach Ostern wieder“. Die gefüllten  Schüsseln mit Kamelle und Pralinen von netten Angehörigen unserer Patienten locken bei jedem Gang vorbei am Stationsstützpunkt. Mein Kollege beißt genüsslich ein Stück der Schokolade ab und zwinkert mir zu „Ich faste auch – alles außer Schokolade…“.

Zu Hause bleibt die Schublade mit der Rosenmontagsbeute geschlossen.  Aufgestockten Obstvorräten sei Dank! Nach einem Abend beim Minigolf empfinde ich beim Anblick der Bilder auf der Karte des Falafelmannes spontan Glücksgefühle und bin dankbar und froh, dass ich nicht auch noch auf Fast Food verzichte. Nach dem Nachtdienstturnus lässt die nächste Herausforderung nicht lange auf  sich warten. Die Klausurwoche naht. Weit weg von zu Hause und mit viel freier Zeit zwischen den Klausuren. Das meteorologische Hoch lässt die Sonne lachen und die Eisverkäufer locken. In den Supermärkten stehen in jedem Gang die Osterleckereien. Das Gehirn verlangt nach den Lerneinheiten nach Zucker, am liebsten in ungesunder, auf-der-Zunge-schmelzender Form. Ich verhandel mit mir selbst, ob Klausuren ein Grund zum Fastenbrechen sind. Das sind immerhin erschwerte Bedingungen, oder nicht? Aber wofür fasten, wenn ich bei der kleinsten Schwierigkeit aufgebe? Geht es nicht darum bewusst zu verzichten? Bewusst ist der Verzicht gerade dann, wenn es mir schwer fällt. Heute hat mein Appetit gegen meinen Willen verloren. Und mein Durchhaltevermögen ist ein klein bisschen gewachsen. Haltet durch, liebe Mitfaster!

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