Ein Nachwort (What Would Jesus Pray, Teil 6)

Die Idee hinter dieser kleinen Serie war es, uns von Athanasius, Luther und Calvin, von Bonhoeffer, Peterson und Wright an die Hand nehmen zu lassen, um einen Zugang zu den Psalmen zu finden. Nicht nur intellektuell, sondern vor Allem auch praktisch. „What Would Jesus Pray“ endet deswegen mit einem Aufruf des britischen Theologen N. T. Wright, die ganzen Psalmen zu gebrauchen, und damit sofort anzufangen.

Ja, das ganze Buch.

„Vieles von dem, wozu die Psalmen gemacht sind, sollen sie in ihrer Ganzheit bewirken. Deswegen sollten wir für unseren normalen Umgang das kleinliche Auswählen von einzelnen Versen zur gelegentlichen Ergänzung (was leider in manchen Kreisen, in denen die Psalmen noch in Gebrauch sind, geschieht) vermeiden. Wir sollten wirklich versuchen, den ganzen Psalter zu nutzen.

Wir sollten die verwirrenden und verstörenden Teile genauso sagen oder singen wie die leichten und ’netten‘ Abschnitte. Wir sollten den Fluss und die Ausgewogenheit des ganzen Satzes seine eigenen Betonungen machen lassen – mit den ausgeprägten Höhen und Tiefen des Psalters, welche die Höhen und Tiefen allen menschlichen Lebens, auch des eigenen, ausdrücken und verkörpern. (…)

Verwendet man den ganzen Zyklus, geschehen Dinge, die sonst wahrscheinlich nicht passieren würden, wenn man nur einzelne Abschnitte gebraucht, oder zwischen den Psalmen hin und her springt. Es ist besser, nicht dem eigenen, sondern dem Auswahlprinzip der Verfasser (und, davon sollten wir ausgehen, des Heiligen Geistes) zu folgen. Das ist meiner Meinung nach ein wichtiger Teil davon was es bedeutet, als Gemeinde oder als Einzelner unter der Autorität der Schrift zu leben. (…)

 

Worauf kommt es jetzt an?

Aber was zählt ist, dass man anfängt. Einzelne Christen genießen das Privileg, diese außergewöhnlichen Gedichte als persönlichen Schatz zu besitzen, der erforscht, gelernt, verinnerlicht, geschrien und nicht zuletzt gesungen werden will. Kirchen und christliche Gruppen jeglicher Tradition sollten sich davor hüten, in der Mission, der Liturgie oder sonstigen Bereichen zu viele Schritte zu gehen, ohne dass die Psalmen wie ein tiefer, schneller Fluss Tag für Tag und Stunde für Stunde die Stufen der Kirche spülen.

Wir alle müssen Wege finden, um das Gesangbuch, das Gott uns gegeben hat, zum Mittel der persönlichen und gemeinschaftlichen Transformation, der Erneuerung und des Wachstums werden zu lassen. Gott erneuert seine Schöpfung und sein Volk. Das tut er, indem er all seine kreative Energie in ein menschliches Wesen münden lässt: den Mensch, den wir unter dem Namen Jesus kennen. Die Psalmen, die Jesus selbst sang und durch die er in seiner Berufung geformt wurde, beschreiben diese Veränderung nicht bloß – sie sind Teil der gottgegeben Mittel, sie zu bewirken. Die große Flut gottgegebener Lieder fließt weiter, und das Beste, was wir machen können, ist mit einzustimmen.“ (aus: „The Case for the Psalms“)

Was tun wir?

Wir versuchen, den Ratschlägen der großen Mentoren zu folgen. In erster Linie, indem wir unsere Gottesdienste mit einer Psalmlesung beginnen. Möglichst ungekürzt lesen wir als Vorbereitung auf die Anbetung durch Lieder und Abendmahl jede Woche einen Psalm. Falls eine Vertonung vorliegt, singen wir den Psalm dann auch gemeinsam. Zusätzlich läuft momentan unsere 14bibel15-Aktion. Da geht es in zwei Jahren einmal durch die ganze Bibel, aber viermal durch die Psalmen.

 

Was du machen kannst:

Kommentar verfassen