Eine Erklärung zum christlichen Zionismus.

Der Konflikt zwischen der israelischen Regierung und der Hamas ist eine offene, hässliche Wunde. Sich auf eine Seite zu schlagen bedeutet, diese Wunde weiter aufzureißen. Christentum im Sinne des Erfinders sieht anders aus: Wir sind dazu berufen, Heilung zu bringen. Erkannt haben das unter Anderem vier führende christliche Geistliche in Israel. Sie veröffentlichten am 31. August 2006 die sogenannte ‚Jerusalem Declaration on Christian Zionism‘. Der Hintergrund war die Errichtung der Mauer. Trotz politisch z.T. etwas einseitiger Forderungen bringt sie es insgesamt so gut auf den Punkt, dass wir sie übersetzt haben. Wir glauben, dass sie den Geist und den Weg von Jesus wiederspiegelt. (Die englische Version findet sich hier.)

Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

Christlicher Zionismus ist eine moderne theologische und politische Bewegung, die dem Zionismus in seiner radikalsten Form nahe steht und damit einem gerechten Frieden innerhalb Palästinas und Israels abträglich ist. Der christliche Zionismus vertritt eine Weltanschauung, in der das Evangelium mit der Ideologie von Herrschaft, Kolonialismus und Militarismus identifiziert wird. In seiner radikalen Form stellt er apokalyptische Ereignisse in den Vordergrund, die das Ende der Geschichte einleiten, anstelle Christi Liebe und Gerechtigkeit heute zu leben.

Wir verwerfen kategorisch christlich-zionistische Lehren als Irrlehre, die die biblische Botschaft der Liebe, Gerechtigkeit und Versöhnung verdreht.

Darüber hinaus lehnen wir die gegenwärtige Allianz von christlich-zionistischen Leitern und Organisationen mit Teilen der Regierungen Israels und der USA ab, die gegenwärtig ihre unilateralen präventiven Grenzen und ihre Herrschaft Palästina aufzwingen. Das führt unwiderruflich zu endlosen Zyklen der Gewalt, die die Sicherheit aller Völker des Nahen Ostens und der Welt untergraben.

Wir verwerfen die Lehren des christlichen Zionismus, die diese Strategie ermöglichen und unterstützen, da sie rassischer Exklusivität und dauerhaftem Krieg Vorschub leisten und nicht dem Evangelium der universellen Liebe, Erlösung und Versöhnung, wie sie Christus gelehrt hat. Anstelle die Welt dem Untergang Armageddons zu weihen, rufen wir jeden auf, sich von den Ideologien des Militarismus und der Besetzung zu lösen. Im Gegenteil, lasst uns der Heilung der Nationen nachjagen!

Wir rufen die Christen in den Kirchen aller Kontinente dazu auf, für Palästinenser und Israelis zu beten, die beide als Opfer unter Besetzung und Militarismus leiden. Diese diskriminierenden Handlungen machen Palästina zu einem verarmten Ghetto, dass von exklusiven israelischen Siedlungen umgeben ist. Das Errichten illegaler Siedlungen und der Mauer auf konfisziertem palästinensischen Gebiet untergräbt die Überlebensfähigkeit eines palästinensischen Staates ebenso wie den Frieden und die Sicherheit der ganzen Region.

Wir rufen alle Kirchen, die noch schweigen, dazu auf, ihr Schweigen zu brechen und für Versöhnung und Gerechtigkeit im Heiligen Land einzutreten.

Daher verpflichten wir uns zu den folgenden Grundsätzen als einem alternativen Weg:

Wir bekennen, dass alle Menschen als Ebenbilder Gottes geschaffen sind. Im Gegenzug sind sie dazu gerufen, die Würde jedes einzelnen Menschen und ihre unveräußerlichen Rechte zu achten.
Wir bekennen, dass Israelis und Palästinenser dazu fähig sind, in Frieden, Gerechtigkeit und Sicherheit zusammenzuleben.
Wir bekennen, dass die Palästinenser ein Volk sind, Muslime wie Christen. Wir verwerfen alle Versuche, ihre Einheit zu unterlaufen oder zu fragmentieren.
Wir rufen alle Völker dazu auf, die enge Weltanschauung des christlichen Zionismus und anderer Ideologien, die ein Volk auf Kosten anderer Völker privilegieren, zu verwerfen.
Wir sind dem gewaltfreien Widerstand als effektivstem Instrument verbunden, die illegale Besetzung zu beenden, um einen gerechten und andauernden Frieden zu ermöglichen.
In aller Dringlichkeit warnen wir davor, dass der christliche Zionismus und ihre Allianzen Kolonialisierung, Apartheid und den Ausbau der Macht rechtfertigen.

Gott verlangt, dass Gerechtigkeit geschieht. Kein anhaltender Friede, keine Sicherheit oder Versöhnung ist möglich ohne Gerechtigkeit. Der Anspruch der Gerechtigkeit vergeht nicht. Der Kampf für Gerechtigkeit ist mit allem Eifer und aller Ausdauer zu verfolgen, aber nicht gewaltsam.

Er hat dir kundgetan, Mensch, was gut ist, und was der HERR von dir fordert: Nichts anderes, als Recht zu üben und Güte zu lieben und in Demut mit deinem Gott zu gehen. (Micha 6,8)

Dazu stehen wir. Wir stehen für Gerechtigkeit. Wir können nicht anders. Gerechtigkeit allein garantiert einen Frieden, der zu Versöhnung und einem Leben in Sicherheit und Wohlstand für alle Völker unseres Landes führen wird. Indem wir uns auf die Seite der Gerechtigkeit stellen, öffnen wir uns dem Werk des Friedens – und Frieden zu stiften macht uns zu Kindern Gottes.

Denn ich bin gewiss: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und unter uns das Wort von der Versöhnung aufgerichtet hat. (2Kor 5,19)

Seine Seligkeit Patriarch Michel Sabbah, lateinisches Patriarchat, Jerusalem

Erzbischof Swerios Malki Mourad, Syrisch-orthodoxes Patriarchat, Jerusalem

Bischof Riah Abu El-Assal, Episkopale Kirche Jerusalems und des Nahen Ostens

Bischof Munib Younan, Evangelisch-lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land

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