Die sieben Geister Gottes (Peter J. Leithart)

Diese Pfingstandacht wurde auf der Webseite des christlichen Magazins „First Things“ veröffentlicht. Das Original findet sich hier. Peter Leithart ist ein einflussreicher evangelischer Theologe und Publizist aus Amerika. 

 

„Was haben wir, wenn wir den Geist haben? Wir haben alles.

Alle Schätze Gottes, versteckt in den Tiefen Gottes vor der Grundsteinlegung der Welt, werden durch den Pfingstgeist zu unserem Eigentum. Er ist das Geschenk vom Vater und vom Sohn, das größer ist als alle Geschenke, dass alle Geschenke beinhaltet. An Pfingsten gibt Gott Gott. Was mehr könnten wir verlangen?

Er ist der siebenfache Geist, der durch die sieben Tage der Schöpfung und durch die Woche der Menschheitsgeschichte wirkt. Der Geist schwebt über den Wassern um unförmige Leere in die geordnete Schönheit eines Kosmos umzuformen. Wenn Israel ein trockenes und durstiges Land ohne Wasser ist, gießt Jahwe seinen Geist aus, um die Wüste in ein fruchtbares Feld, und das fruchtbare Feld in einen Wald zu verwandeln. Der Geist schwebt über dem Mutterleib der Maria und bewirkt eine Neuerschaffung der Menschheit. Der Vater haucht den Geist auf den toten Leib von Jesus, um ihn zu Auferstehungsleben zu erwecken.

Der Schöpfergeist kommt auf Bezalel und Oholiab herab. Sie nehmen Gold und Bronze, Leinen und Holz, und formen daraus einen Mikrokosmos der Schöpfung des Geistes. Der Schöperfgeist macht jedes Teil der Gemeinde – jeder ein Bezalel, jede ein Oholiab – zu einem kreativen Handwerker, um die neue Menschheit, die Gemeinde, aufzubauen.

Der Geist ist der Kampfgeist, der Othniel und Gideon, Jeftah und Simson und Saul bekleidete, und ihre Hände zum Kampf befähigte. Er kommt wie eine Taube auf Jesus herab, und treibt ihn in die Wüste, um dort gegen Satan zu streiten. Durch den Geist heilt Jesus. Durch den Geist treibt er Dämonen aus. Durch den Geist reinigt er Leprakranke. Durch den Geist stürzt er Satans Reich. Durch den Geist fesselt er den Starken und plündert sein Haus.

Der Geist ist der Sprachengeist. Er stellt die Sprachverwirrung von Babel auf den Kopf und sammelt die Nationen, damit sie mit einem Mund den einen Herrn zu bekennen. Er ist der Geist der Prophetie, der nicht nur Mose, sondern auch andere erfüllt, der Saul bei den Propheten in Ekstase versetzt, der an Pfingsten kommt, damit Alte Visionen sehen und Junge Träume träumen. Erfüllt mit dem Geist spricht David in Reimen, denn er ist der Geist der Poesie, die Muse des dreieinigen Gottes. Im Vertrauen auf den Geist bekennen die Apostel vor Königen und Statthaltern – er ist die Rhetorik Gottes. Durch den Geist bricht aus Maria, Zacharias und Simeon ein Lied hervor, denn der Geist ist die Musik Gottes.

Der Geist ist der Atem, der Leben schenkt – der feurige Stoß aus Gottes Nase, der Berge schmilzt und die Erde wie Schwefel verzehrt. Er ist der Atem des Bräutigams, für seine Braut duftend wie Äpfel. Der Geist ist der Wind der die Wasser der Flut wegbläst, und Ägpyten die Hungersnot bringt. Er ist der Wind der mitten auf dem Meer trockenes Land erscheinen lässt. Er ist der Wind, der die Felsen von Horeb zerbricht, der Wind, der trockene Knochen lebendig macht, und der Wind, der die Spreu fort trägt.

Gottes Pfingstwind weht wo er will. Du hörst den Klang, aber kannst nicht sagen, von wo er kommt, oder wohin er geht. So sind alle, die vom Geist geboren sind.

Der Geist ist Regen vom Himmel, lässt die Wüste aufblühen wie eine Rose. Er ist das Wasser von Meribah, es bricht hervor, wenn Mose den Felsen schlägt, der Christus ist. Moses Worte tropfen wie Regen und kommen herab wie der Tau, und der König, der durch den Geist lebt ist wie Regen auf dem gemähten Gras. Der Geist regnet vom Thron Gottes herab, wird ein Fluss, der das Tote Meer süß macht.

Der Geist ist das Öl, das vom Kopf des neuen Aaron herabfließt, auf seinen Bart, auf seinen Gewandsaum, und uns in dem ‚größer als Melchisedek‘ zu Priestern und Königen zu salben. Er ist das Öl, das in dem Leuchter brennt, der auf einem Berg steht, um in die Dunkelheit das Licht zu leuchten, und er ist die Flamme dieses Öls. Der Geist ist das wohlriechende Öl, vermischt mit Weihrauch – das Öl, dass uns zu einem Duft des Lebens zum Leben und zu einem Duft des Todes zum Tode macht.

Daher: Folge dem Geist. Lebe im Rhythmus des Geistes. Singe im Geist. Bete im Geist. Sei erfüllt mit dem Geist. Sähe auf den Geist. Ernte vom Geist. Erhalte die Einheit des Geistes. Lass dich vom Geist tragen. Halte am Geist fest. Atme den Geist ein und atme ihn aus. Tränke dich im Geist. Trinke den Geist, und lass dich von ihm trinken.

In all deinem Empfangen, empfange den Geist. Bewahre den Geist, und vertraue ihm, dass er dich bewahrt.

Kommentar verfassen