Die christliche Reaktion auf die Flüchtlingskrise

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In Zeiten wie diesen, in denen so stark polarisiert wird und viele sich in die eine oder andere politische Ecke gedrängt fühlen, ist es wichtig, sich an die Punkte zu erinnern, die das Adjektiv ‚christlich‘ wirklich ausmachen:

1. Identität. Die Identität eines Christen ist zuallererst in Christus und seiner Kirche verwurzelt. Wenn wir uns jetzt mit der Flüchtlingskrise konfrontiert sehen, müssen wir darauf achten, als treue Christen, nicht als besorgte Deutsche, Amerikaner, Ungarn, usw. zu denken, zu sprechen und zu handeln. Dein „Ich“ muss das christliche „Ich“ sein (ein Nachfolger Christi), unser „Wir“ das christliche „Wir“ (ein Teil der Kirche Gottes) sein. Du bist ein Bürger des Himmels. Dein Hauptanliegen muss es sein, Christus und sein Königreich – deine wahre Heimat – treu zu repräsentieren. Kulturen, Nationen, Rassen, Grenzen und politische Systeme sind alle Teil dieser Welt. Sie verändern sich, sind vergänglich. Das Reich Gottes ist es nicht. Eine Reaktion, die mit Nationalität, Kultur oder Rasse beginnt oder darauf hinausläuft, ist keine christliche Reaktion.

2. Empathie. Empathie (auch bekannt als ‚Mitleid‘) sagt: „Das könnte ich sein!“. Man versetzt sich ganz bescheiden in die Lage einer anderen Person. Man leidet mit, versucht, ihren Schmerz nachzuempfinden. Hast du das getan? Mitleid kostet uns etwas, es ist mit einem Risiko verbunden (siehe das Gleichnis vom barmherzigen Samariter). Ein Christ ist bereit, den Preis für Mitleid zu bezahlen und dieses Risiko einzugehen. Nicht berechnend, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern weil Mitleid eine göttliche Tugend ist. Der einzige Grund, warum du nicht in Aleppo oder Damaskus geboren bist ist die göttliche Vorsehung. Der einzige Grund warum Christus kam, um uns zu retten, ist Gottes Mitleid. Sein unverdientes Mitleid triumphierte über unser verdientes Urteil. Daher: Eine Reaktion, die nicht empathisch, sondern rau, kalt, herablassend und eigennützig ist, ist nicht christlich.

3. Die Würde des Menschen ist heilig. Christen glauben, dass alle Menschen gleichermaßen das Ebenbild Gottes tragen, weil er sie dazu geschaffen hat, ihn auf einzigartige Weise widerzuspiegeln. Wir haben angeborene Würde und Wert. Nicht nur, weil er uns geschaffen hat, sondern auch, weil er einer von uns wurde, um für uns alle zu sterben und aufzuerstehen. Seine Schöpfer-Retter-Liebe für jedes menschliche Wesen wird nicht dadurch geschmälert, dass wir Leben führen, die unserem Wert entgegenstehen. Wir sind gleichermaßen gefallen aber auch gleichermaßen geliebt. In diesem Sinne sind vor Gott alle Menschen gleich. Dieses Verständnis macht die humanitäre Katastrophe der Flüchtlingskrise, aber auch die Belästigung oder Vergewaltigung von Frauen am Kölner Hauptbahnhof so inakzeptabel. Eine Reaktion, die nicht die Würde jedes Menschen achtet, sondern Menschen oder -gruppen ignoriert, entmenschlicht oder verteufelt, ist nicht christlich.

4. Evangeliums-Empathie. Empathie sagt: „Das könnte ich sein!“ – Evangeliums-Empathie sagt: „Das bin ich!“. An das Evangelium zu glauben bedeutet, sich mit den Heimatlosen, den Armen, den Flüchtenden zu identifizieren, denn genau das sind wir geistlich und moralisch gesehen ohne Christus. Jeder Flüchtling, den du im Fernsehen oder im Internet siehst, ist eine Illustration für deinen ernsthaften geistlichen Zustand, aus dem du unverdienterweise gerettet wurdest. Dir wurde ein neues Leben geschenkt. Eine Reaktion, die keine Evangeliums-Empathie zeigt, ist nicht christlich

5. Anbetung. In Christus identifizierte sich Gott so sehr mit der gefallenen Menschheit, dass er zu uns kam, um uns zu retten. Er identifiziert sich so stark mit den Hungrigen, Armen, Frierenden, Eingesperrten und Fremden (ja, das schließt Flüchtende mit ein), dass er sagt: Was auch immer ihr für einen von ihnen tut, tut ihr für mich. Was auch immer ihr für einen von ihnen nicht tut, tut ihr nicht für mich. Deswegen besteht die anbetende Reaktion auf die Krise darin, dass man Christus in den Menschen sieht. Wenn die Bedürftigen zu uns (der Kirche – siehe Punkt 1) kommen, ist das eine Chance für Anbetung. Wir würden all das gerne den Bedürftigen und Armen vorbehalten, die es unserer Meinung nach verdient haben, aber dann hätte es nichts mehr mit Gnade (unverdienter Gunst) zu tun. Eine Reaktion, die nicht Christus in den Flüchtenden sieht, ist nicht christlich.

6. Feindesliebe. Christen sehen nicht andere Menschen als ihre Feinde. Sie wissen, dass der eigentliche Kampf sich gegen böse Mächte richtet und mit den Waffen der Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe, Hoffnung und Glaube gekämpft wird. Außerdem unterscheiden sie strikt zwischen den Feinden eines politischen Systems, einer Nation oder Kultur und dem einen wahren Feind Gottes und der Schöpfung. Denjenigen, die sich gegen sie stellen, begegnen sie mit Liebe, Gebet, Dienst und Segen. So handeln sie als wahre Kinder ihres himmlischen Vaters und zeigen Vertrauen darauf, dass Gerechtigkeit von Gott kommen wird. Sie bauen ihr ganzes Leben auf die Überzeugung, dass Gott seine Feinde so sehr liebte, dass er kam und starb um die Welt mit sich zu versöhnen. Eine Reaktion, die keine Feindesliebe zeigt, ist deswegen nicht christlich.

7. Die Bereitschaft, für Gutestun zu leiden. Dass eine bestimmte Handlungsweise Leid mit sich bringt, führt aus christlicher Sicht nicht zu der Schlussfolgerung, dass diese Option falsch, unweise oder naiv sein muss. Das Evangelium lehrt uns, dass Gott sowohl seine Macht als auch seine Weisheit dadurch zeigte, dass er freiwillig diente, demütig und opferbereit war – zum Nutzen für Andere. Wenn wir also fertig über die Frage nachgedacht haben, inwiefern das stückweise Aufgeben unseres außergewöhnlich hohen Lebensstandards (dazu gehört neben Wohlstand auch öffentlicher Frieden und Ordnung) dem Titel „Leid“ gerecht wird, müssen wir als Christen anerkennen, dass es der Weg Jesu und der Weg des Segens ist, wenn wir für Gutestun leiden. Eine Reaktion, die das Ertragen von Leid als Konsequenz richtigen Handelns nicht als Tugend versteht ist nicht christlich.

8. Glaube statt Angst. Wenn wir vor etwas Angst haben, dann halten wir es für eine Art der Bedrohung. Angst ist erst einmal einfach ein grundlegender, menschlicher Instinkt. Aus christlicher Perspektive ist die einzige potentielle Bedrohung jedoch Gott selbst. Weil wir uns aber durch den Glauben an Jesus in die Hände eines souveränen, allweisen und liebenden Gottes begeben haben, müssen wir auch vor ihm keine Angst haben. Der Flüchtlingsstrom ist weder eine Bedrohung für den einzelnen Christen, noch für die Kirche. Jesus hat die Welt, die uns so Angst macht, überwunden. Christen glauben, dass Gott ihnen keinen Geist der Angst gegeben hat, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Über hundert Mal in der Bibel spricht Gott: „Fürchte dich nicht!“ – und fordert statt dessen Vertrauen. Eine Reaktion, die auf Angst statt auf Vertrauen auf die Souveränität und Liebe Gottes beruht ist verständlich – aber nicht christlich.

 

4 Comments On “Die christliche Reaktion auf die Flüchtlingskrise”

  1. Douglas Henry

    Hallo mein name ist Douglas Henry und ich komme aus Fort Lauderdale Florida USA. Ich komme mit meine Familie in Juni und iche wirde gerne fluchlinge helfe geben? Ist es moglich so was zu machen? Bitter schreibe mir zuruck mit ein antwort. Danke.

  2. Chris

    Hey super! Dann muss Christ ja auch keine Steuern zahlen.

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