Der Spaß ist vorbei.

Der Nubbel ist verbrannt, der Spaß ist vorbei. Traditionell üben sich Christen von jetzt bis Ostern im Verzicht. Die 40 Fastentage (von den 46 Kalendertagen werden sechs fastenfreie Tage rausgerechnet) sollen daran erinnern, dass laut den Evangelien auch Jesus Christus selbst 40 Tage in der Wüste fastete. Im jüdisch-christlichen Glauben geht es beim Fasten nicht nur um eine spirituelle Übung der Selbstreinigung und Neufokussierung. Das Verzicht gut für den Menschen ist, dass Konsum und Überfluss unsere Seele ersticken können, und deswegen weniger für den inneren Menschen oft mehr bedeutet – diese Lektion hat auch unsere säkulare Gesellschaft (zumindest theoretisch) inzwischen gelernt.

Aber das gläubige Fasten geht noch darüber hinaus. Die Idee beim Fasten ist es, eine Zeit lang bewusst zu trauern: über den eigenen moralischen Zustand, über erfahrenes Leid oder über den moralischen Zustand von Gottes Volk. Das, was einem trauernden, zerrissenen Menschen natürlich ist, wird beim Fasten bewusst nachgeahmt.

Die Juden zur Zeit des Alten Testaments fasteten vorbereitend für ihr größtes Fest: Jom Kippur, den Versöhnungstag. In der christlichen Tradition wurde vorbereitend auf Weihnachten und auf Ostern gefastet – wobei ganz offensichtlich nur letzteres erhalten blieb.

Ostern ist das wichtigste Fest der Christen. Gemeinsam mit der Karwoche wird in dieser Zeit darüber nachgedacht, dass Jesus Christus litt, starb und am dritten Tag von den Toten wiederauferstand. Aber warum sollte man als gläubiger Mensch deswegen fasten?

Um sich selbst in diese Geschichte hineinzubegeben. Um die Verbindung zu mir und zum Jetzt zu ziehen. Mit dem Fasten gebe ich vor mir selbst, vor Gott und meinen Mitmenschen ein Statement ab: der Tod und die Auferstehung von Jesus haben mit mir zu tun. Echtes christliches Fasten ist keine Form der Selbstbestrafung oder der Selbstrechtfertigung. Es ist ein Reality-Check, eine Selbstkonfrontation. Der Verzicht hilft mir, mich selbst in meiner Bedürftigkeit, Verlorenheit und Zerrissenheit sehen zu können. Es hilft mir auch, mich ganz nüchtern und ernsthaft Gott zuzuwenden – dem Gott, der sich uns zugewendet hat, als er in Jesus Mensch wurde und für uns starb.

Wir sollten die Fastenzeit nutzen, um Unnötiges abzulegen, von Sünde umzukehren, uns auf Jesus als Wegbereiter und Glaubensvorbild zu konzentrieren und unsere Entschlossenheit zu stärken (Hebräer 12,1-4). Fastest du mit? Wie sieht Verzicht für dich aus?

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