Warum fasten?

„Freikirchliche Christen sind meist eher zurückhaltend im Bezug auf die Fastenzeit. Die 40 Tage vor Ostern – die Sonntage ausgenommen – sind hauptsächlich dafür bekannt, dass man Schokolade oder anderen Überfluss aufgibt, um Gott zu zeigen, wie lieb man ihn hat. Bei solch ärmlichen Vorstellungen ist es kein Wunder, dass die Fastenzeit es bei uns schwer hat.

Aber egal, wie die Fastenzeit von vielen wahrgenommen wird: diese Zeit kann evangeliumszentrierte Frömmigkeit durchaus fördern. Aber bevor ich einige Gründe dafür nenne, möchte ich kurz über den Nutzen des Kirchenjahres im Allgemeinen sprechen.

Manche freikirchlichen Traditionen lehnen die Idee eines Kirchenkalenders komplett ab. Sie halten den Tag des Herrn (Sonntag) für das einzige gottgegebene Mittel zur Einteilung der Zeit für die Kirche. Einige Puritaner wiesen aus diesem Grund sämtliche Kirchenfeste zurück. Aber egal wie wir es drehen und wenden, jeder von uns organisiert sein Leben anhand eines Kalenders, der nicht direkt von Gott gegeben wurde (z.B. Studiensemester, Geschäftsjahre oder Kalendermonate).

Ausgehend von dieser Einsicht, versucht der liturgische Kirchenkalender die Zeit um die Hauptereignisse der Erlösung durch Christus zu ordnen. Während dieser Zeiten ermutigen wir zu bestimmten theologischen Schwerpunkten, spirituellen Übungen und entsprechenden Emotionen, um die Gemeinde darin zu schulen, ein Leben für Gott zu führen. Selbstverständlich begrenzt der Kirchenkalender das Feiern einer Wahrheit oder Erfahrung oder Emotion nicht auf eine Zeit oder einen Tag. Wer zum Beispiel den Ostersonntag als fröhlichen Festtag feiert, leugnet damit ja nicht, dass an jedem Sonntag die Auferstehung von Jesus gefeiert wird. Im Gegenteil: ein fröhlicher Ostersonntag verankert alle anderen Sonntage des Jahres und formt sie. So verhält es sich mit dem Kirchenjahr.

Hier sind fünf Vorteile der Fastenzeit:

  1. Die Fastenzeit gibt uns die Möglichkeit, die Abgründe unserer Sünde auszuloten, aber auch Gottes herrliche Liebe zu erleben. (…)
  2. Die Fastenzeit gibt uns die Möglichkeit, die Ernsthaftigkeit unserer Nachfolge auf den Prüfstand zu stellen. (…)
  3. Die Fastenzeit gibt uns die Möglichkeit, über unsere Sterblichkeit nachzudenken. (…)
  4. Die Fastenzeit gibt uns die Möglichkeit, uns in Nächstenliebe auf unsere Mitmenschen zuzugehen. (…)
  5. Die Fastenzeit bereitet uns darauf vor, am Ostersonntag das Staunen und die Verheißung von Jesus‘ Auferstehung zu feiern. (…)

Deswegen lade ich dich zu einer heiligen Fastenzeit ein. Nutze die Gelegenheit und denke darüber nach, wie traurig unsere kaputte Welt ist, über die Sünde in deinem Herzen und die tiefe Liebe Gottes, die diese Realitäten noch übersteigt. Reflektiere über die Gastfreundschaft Gottes, bedenke die Not deines Nächsten, insbesondere desjenigen, dem das Nötigste fehlt. Und – am Allerwichtigsten – vergiss in den kleinen Details der Fastenzeit nicht, dass Ostern vor der Tür steht!“

(Chuck B. Colson)

~ den ungekürzten Artikel gibt es hier ~

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