Wie soll ich dich empfangen?

Andreas von KretaEiner der traditionellen Texte zum ersten Adventssonntag (Markus 11,1-11) erzählt die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem. Der Hymnendichter und Mönch Andreas von Kreta (660-740) schrieb dazu diese Worte:

 

 

Christus kommt, um freiwillig den Weg nach Jerusalem anzutreten. Er ist für uns vom Himmel herab gestiegen, um uns, die wir tief am Boden lagen, mit sich zu erhöhen. Er kommt nicht, um sich hervor zu tun und zu prahlen. Es heißt ja: „Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen.“ Vielmehr ist er sanft und demütig, und er zieht ein ohne großen Prunk. Was gibt es, das weniger kostet als ein Esel? Und was ist niedriger als ein Lasttier?

Also auf, gehen wir zusammen mit ihm, der zum Leiden geht, und ahmen wir die nach, die ihm entgegen ziehen! Doch wollen wir ihm nicht Ölzweige oder Palmzweige, auch keine Kleider und Decken auf den Weg streuen, sondern wir wollen uns selbst ihm zu Füßen werfen mit demütigem Herzen und lauteren Gedanken! Wir wollen das Wort bei seinem Kommen aufnehmen, und Gott, den kein Raum zu fassen vermag, soll in unserem Herzen einen Ruheplatz finden. Denn er freut sich, er ist uns freundlich begegnet, denn er ist die Freundlichkeit in Person. Er ist in unsere Niedrigkeit herab gestiegen, um zu uns zu kommen, um mit uns zu leben und um uns durch diese Verbindung zu sich zurück zu führen und empor zu heben.

So wollen wir also uns selbst vor Christus hinstrecken, und nicht Kleider oder leblose Zweige hin breiten, kein Laubwerk von Bäumen, keine verdorrten Sträucher, die nur für wenige Stunden einen schönen Anblick bieten; nein, wir selbst wollen uns vor ihm hinwerfen, denn wir sind bekleidet mit seiner Gnade oder noch besser mit ihm selbst. „Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt“, schreibt der Apostel. So wollen wir dem Sieger über den Tod keine Palmzweige überbringen, sondern den Siegespreis! Auch wir wollen heute und jeden Tag zusammen mit den Kindern in den heiligen Ruf einstimmen: „Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!

Kommentar verfassen