Advent in der Todeszelle

Alfred Delp war ein katholischer Priester, der für seine Beteiligung am Widerstand gegen die Nazis in Berlin inhaftiert, gefoltert und nach einigen Monaten hingerichtet wurde. Im Gefängnis erlebte er seine letzte Adventszeit, in der er unter Anderem Adventsmeditationen schrieb.

Daraus stammen auch folgende Zeilen:

„Advent ist Zeit der Verheißung, noch nicht der Erfüllung. Noch stehen wir mitten im Ganzen und in der logischen Unerbittlichkeit und Unabweisbarkeit des Schicksals. Noch sieht es für die gehaltenen Augen so aus, als ob die endgültigen Würfel doch da unten in diesen Tälern, auf diesen Kriegsfeldern, in diesen Lagern und Kerkern und Kellern geworfen würden. Der Wache spürt die anderen Kräfte am Werk, und er kann ihre Stunde erwarten.

Noch erfüllt der Lärm der Verwüstung und Vernichtung, das Geschrei der Selbstsicherheit und Anmaßung, das Weinen der Verzweiflung und Ohnmacht den Raum. Aber ringsherum am Horizont stehen schweigend die ewigen Dinge mit ihrer uralten Sehnsucht. Über ihnen liegt bereits das erste milde Licht der kommenden strahlenden Fülle. Von dorther erklingen erste Klänge […]. Sie fügen sich noch nicht zu Lied und Melodie; es ist alles noch zu fern und erst verkündet und angesagt. Aber es geschieht. Dies ist heute. Und morgen werden die Engel laut und jubelnd erzählen, was geschehen ist, und wir werden es wissen und werden selig sein, wenn wir dem Advent geglaubt und getraut haben.“

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