22 tweetbare Gründe für die Fastenzeit (Peter Leithart)

Die Fastenzeit ist nicht dazu da, um etwas zu tun, das wir sonst nie praktizieren. Wie den Sonntag auch, gibt es die Fastenzeit, um das, was wir bereits praktizieren, zu intensivieren.

Wir alle haben Hunger auf das Falsche. Wir brauchen die Fastenzeit, um an dem Geschmack der Frucht des Lebensbaums Gefallen zu finden – der Frucht des Kreuzes.

Wir feiern Ostern, um unseren ersten Anteil an der Auferstehung zu leben und zu vertiefen. Wir halten die Fastenzeit ein, um unseren ersten Anteil am Kreuz zu leben und zu vertiefen.

 

Durch die Fastenzeit streben wir nach Herrlichkeit – denn der Herr erhöht diejenigen, die sich selbst erniedrigen.

Einmal im Jahr reinigte Israel das Haus vom alten Sauerteig. Die Fastenzeit ist das christliche Fest der ungesäuerten Brote.

Für Christen ist der Tod nicht Ende sondern Anfang. Die Fastenzeit ist ein augedehntes Nachsinnen über diese gute Botschaft.

Die Fastenzeit ist die Grundausbildung für geistliche Kämpfer.

Die Fastenzeit ist eine Übung in der grundlegenden christlichen Disziplin des Wartens.

Wie das gesamte Kirchenjahr, fügt die Fastenzeit „die Christus-Tatsache in den Rhythmus der Jahreszeiten, Wochen, Tage und Stunden“ (Congar) ein.

Das Kirchenjahr ist ein ausgedehntes Gedächtnis der Evangeliums-Geschichte. Die Fastenzeit ist lang, weil die Passion das längste Kapitel in dieser Geschichte ist.

Als Übung im Herauszögern der Stillung von Bedürfnissen ist die Fastenzeit hochgradig gegenkulturell.

Die Fastenzeit erinnert uns daran, dass der einzige Gott den es gibt, der Gott des Kreuzes ist. Damit wirkt die Fastenzeit vorbeugend gegen einen unspezifischen Monotheismus.

Die Fastenzeit ist kein Rückzug aus der Geschichte. Der Gott der Fastenzeit ist der Gott, der sich in die Zeit hineinbegibt; ein Gott mit Blut, das er für uns vergießen kann.

Die Fastenzeit gibt uns die einzige Antwort auf das Problem des Bösen: Ein Kreuz, das über das Böse triumphiert; ein Tod, der den Tod zertrampelt.

Die Fastenzeit verrät uns die Uhrzeit: die Zeit zwischen Auferstehung und Auferstehung.

Die Fastenzeit erinnert uns daran, dass Jesus nicht ans Kreuz gegangen ist, damit wir dem Kreuz entfliehen können – er ist ans Kreuz gegangen, um uns zu befähigen, das Kreuz zu tragen und ihm nachzufolgen.

Die Fastenzeit gibt uns 40 Tage, um über die Herrlichkeit des Gekreuzigten, welche die Welt rettet, nachzusinnen.

Die Fastenzeit ist ein fokussierter Versuch, Götzen zu identifizieren und zu zerschlagen.

Die Fastenzeit lehrt uns, dass der Name, den wir tragen, das Gewicht des Kreuzes hat.

Die Fastenzeit ist eine Impfung gegen Sentimentalismus.

Die Fastenzeit stimmt uns auf die zerbrochene Schönheit der Welt ein.

Die Fastenzeit befreit uns Stück für Stück von dem Selbstbetrug und der Selbstrechtfertigung, die uns von dem auferstandenen Christus fernhalten.

(Peter Leithart ist reformierter Theologe, Autor, Kulturkritiker, Pastor, und Präsident des Theopolis Institus für liturgische Erneuerung. Die ausführlichere Sammlung seiner Fastenzeit-Tweets findet sich hier.)

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