Grundwerte

 

Historische & theologische Verortung  Unser theologischer Kern ist der klassische, christliche Glaube: das, was alle Christen immer und überall geglaubt haben. Dieser Glaube drückt sich in der Bibel und in den frühen, ökumenischen Bekenntnissen der Kirche (Apostolisches Glaubensbekenntnis, Bekenntnis von Nicäa, Athanasisches Glaubensbekenntnis) aus. Auf dieser Grundlage sehen wir uns mit allen Christen verbunden.

Wir gehören zu der Tradition evangelischer Freikirchen. Als evangelische Christen betonen wir sehr stark die Bibel als Grundlage und Richtschnur des Glaubenslebens. Jeder Mensch soll die Bibel verstehen und sich persönlich danach richten können. Evangelisch sind wir, weil wir das Evangelium von derGnade Gottes in Jesus Christusdie allein den Glaubenden rettet, zum Zentrum haben. Dieses Evangelium ist die Existenzberechtigung der Kirche. Das Herzstück dieses Evangeliums bilden die Menschwerdung, der Kreuzestod und die Auferstehung von Jesus Christus. Durch diese historischen Tatsachen hat Gott die Menschen mit sich versöhnt.

Evangelische Christen sprechen nur bei Taufe und Abendmahl von ‚Sakramenten‘ (von Jesus eingesetzte, heilige Rituale, die unseren Glauben auch nach außen verkörpern). Die Taufe markiert den Beginn des Weges als Nachfolger von Jesus, ist öffentliches Bekenntnis zu ihm und zu seiner Gemeinde. Mit dem Abendmahl feiern wir die Beziehung zu Gott, die Jesus durch seinen Opfertod für uns möglich gemacht hat, und suchen darin die Begegnung mit ihm. Jeder, der diesen Glauben und diesen Wunsch mit uns teilt, ist eingeladen, das Abendmahl mit uns zu feiern.

Aus der persönlichen Mündigkeit, der Verantwortung vor Gott und dem Glauben an Jesus Christus als alleinigem Mittler zwischen Gott und Menschen ergibt sich die Überzeugung des ‚Priestertums aller Gläubigen‘. Dieser Begriff bedeutet, dass jeder Christ mit seinem ganzen Leben in einem priesterlichen (vermittelnden) Dienst an der Kirche und an der Welt steht.

Als Freikirche sind wir staatlich unabhängig und erhalten keinerlei Kirchensteuer. Wie die meisten Freikirchen bezeichnen auch wir uns häufig als „Gemeinde“. Historisch gesehen verfolgen wir den Wunsch, die Prinzipien der Reformation (s.o.) wirklich konsequent umzusetzen.

Wir verstehen das Christentum in erster Linie als Bekenntnis- und Laienbewegung. Als Bekenntniskirche sind für uns nicht formelle oder nominelle Zugehörigkeit, sondern der persönliche Glaube an das Evangelium und die freiwillige Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft entscheidend. Da persönlicher Glaube und freiwillige Verpflichtung mündigen Personen vorbehalten sind, vertreten wir auch die Gläubigen- und nicht die Säuglingstaufe.

Profil – Wir wollen eine missionale Kirche sein. D. h., unser Selbstverständnis leitet sich aus der Missio Dei (Mission Gottes) ab: Genauso wie Gott der Vater Jesus Christus in die Welt gesandt hat, so sandte Jesus seine Nachfolger, mit der Mission, ihn in der Welt zu bezeugen. Wir sind nicht in erster Linie für uns da, sondern für Andere. Deswegen soll alles, was wir als Gemeinde tun, mit Blick auf diejenigen geschehen, die mit Jesus nichts zu tun haben.

Gott in der Welt zu bezeugen beinhaltet, dass wir mit Gottes Botschaft und mit dem spezifischen Ort, an den Gott uns als Gemeinschaft stellt, vertraut sind. Nur so können wir die Botschaft in den entsprechenden Kontext hinein ‚übersetzen‘ (kontextualisieren), und die Relevanz des Evangeliums konkret machen. Sind wir in unserem Zeugnis nicht relevant für unser Umfeld, haben wir unseren missionarischen Auftrag verfehlt.

Wir wollen Stadtchristen sein. Wir sind bewusst in der Stadt, weil wir sie lieben. Die Stadt zu lieben heißt für uns, sie erst einmal zu akzeptieren wie sie ist, von ihr zu lernen, ihr loyal zu sein, sie zu schätzenkeine Angst vor ihr zu haben und nicht zu versuchen, sie zu zähmen oder zu beherrschen. Liebe zur Stadt heißt aber dann auch, dass wir sie nicht einfach spiegeln oder glorifizieren, sondern versuchen, sie durch Gottes Liebe zu verändern. Unser Ziel ist ein Stadt-taugliches, Stadt- geprägtes und Stadt-bereicherndes Christsein.

Geistliches Leben – Die Gemeindekultur soll vom Evangelium geprägt sein. Wir halten uns nicht für etwas Besseres, nur weil wir Christen sind. Im Gegenteil: wir haben realisiert, dass kein Mensch je über den Punkt völliger Abhängigkeit von Gottes freier Gnade hinauskommt. Deswegen nehmen wir uns selber nicht zu ernst und schauen nicht auf andere herab. Gottes Liebe für uns ist eine völlig unverdiente Zuwendung. Deswegen wollen wir einander aus Dankbarkeit genauso begegnen, wie Gott uns in Jesus Christus begegnet ist. Wir wünschen uns eine Atmosphäre, die freundlich, hilfreich und verständnisvoll ist.

Bibel und Erfahrung zeigen uns, dass Gottes Wirken gewöhnlich nach organischen Prinzipien abläuft: geistliche Dinge müssen wachsen. Dieses Wachstum braucht einen entsprechenden Rahmen, Zeit und Zuwendung. Deswegen sind uns pastoraler Dienst, tiefe, authentische Beziehungen und eine Atmosphäre ohne Druck und Zwang wichtig. Die Zyklen und Rhythmen von Gottes Schöpfung sollen sich in unserem geistlichen Leben wiederfinden (z. B. Sonntagsgottesdienst, Abwechslung von Ruhe und Aktivität). Sie sind Ausdruck seiner Ordnung, Schönheit und Vollständigkeit.

Gottes Eigenschaften sollen sich auch im musikalischen Leben der Gemeinde ausdrücken. Gottes Eigenschaften und Emotionen sind vielschichtig. Als seine Geschöpfe spiegeln wir diese Komplexität wieder. Deswegen sollte besonders in unserer gemeinschaftlichen Anbetung diese Vielfalt musikalisch und inhaltlich zum Ausdruck kommen. Wir wünschen uns eine Anbetung, bei der Gott ihm Zentrum steht (theologisch), bei der Christen eine ganzheitliche, bereichernde Begegnung mit ihm suchen (authentisch), und bei der sich daran erinnert wird, dass Nichtchristen anwesend sein können, die wir auch mit einbeziehen wollen (evangelistisch).

Wir sehen uns als kleinen Teil von Gottes langer Geschichte mit den Menschen. Deswegen wertschätzen wir die Weisheit, die von Juden und Christen seit Tausenden von Jahren bewahrt und weitergegeben wurde. Wir wollen Christsein nicht neu erfinden, sondern der Vergangenheit zuhören, und die Relevanz des Alten wiederentdecken (z. B. Kirchenkalender, traditionelle Praktiken).

Die dritte Person der Dreieinigkeit, der Heilige Geist, ist Gottes aktive Gegenwart, der sich besonders in der Gemeinschaft von Christen manifestieren möchte. Das Neue Testament und die Geschichte der Kirche zeugen von übernatürlichen Gaben, die Gott frei austeilt. Wir glauben, dass Gott sich dazu entschieden hat, auch diese Gaben zu gebrauchen, um seine Gemeinde zu bauen. Der Heilige Geist ist das Leben der Gemeinde. Deswegen geben wir ihm Raum und sind für sein übernatürliches Wirken (im biblischen Rahmen) offen.

Aufgrund unserer hohen Sicht von der Bibel praktizieren wir auslegende Bibellehre (Predigten, bei denen es darum geht, die Bibel zu erklären), die durch thematische Predigten ergänzt wird. Beim Auslegen folgen wir den zwei Grundsätzen, dass a) der wichtigste Kommentar zur Bibel die Bibel selbst ist, und b), dass danach die Bibellehrer der Kirchengeschichte (Kirchenväter, -lehrer und -doktoren, mittelalterliche Exegeten, Reformatoren und moderne, gläubige Bibelgelehrte) uns helfen, die Bibel zu verstehen. Durch das systematische Erarbeiten der Heiligen Schrift werden wir mit der Bibel vertraut, und werden so für den Alltag theologisch ausgerüstet, moralisch gestärkt und in eine mündige Selbstständigkeit geführt.